Können Autisten Auto fahren?

Ja natürlich können Autisten das, wenn sie es wollen. Warum auch nicht?
Wie wir ja nun alle gelernt haben, sind Autisten nicht alle gleich und entsprechen nicht immer dem gängigen Klischee. Es ist ein Spektrum und jeder hat so seine eigenen Stärken und Schwächen.
Auch unter Autisten gibt es diejenigen die gern Auto fahren, aber eben auch welche die das aus sonstigen Gründen nicht tun.
Sicher, als Autist hat man einige Herausforderungen mehr zu händeln, als das bei Nicht-Autisten der Fall ist. Aber es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, warum man Autisten vom Auto fahren abraten oder es ihnen nicht zutrauen sollte.

Ich berichte nun einfach mal, wie das bei mir so war bzw. ist.
(Zur Erinnerung: Meine Autismus-Diagnose erhielt ich erst mit 28.)

Ich machte meinen Führerschein mit 18 in einem Ferienkurs. Es war ein Kurs, der über zwei Schulferien verteilt war.
Rückblickend muss ich wirklich sagen, dass das für mich die idealste Lösung war. In den ersten Ferien (es waren Herbstferien) hatten wir jeden Tag 4 Stunden Theorie-Unterricht. Geballtes Wissen und nicht über mehrere Wochen dahergeplätschert. Ich konnte mich allein darauf fokussieren und lernen. Am Ende der Ferien gab es dann die Theoretische Prüfung. Bestanden im ersten Anlauf ohne Fehler. Wer nicht bestanden hätte, hätte zu Beginn der nächsten Ferien dann direkt noch die Chance gehabt, das nachzuholen.
In den darauffolgenden Ferien (Weihnachten/Neujahr) gab es dann jeden Tag 2 Stunden lang Fahrtraining. Ich hatte eine Lehrerin, die sehr resolut war, aber mir auch vieles zutraute und mich ‚erstmal machen ließ‘ ohne von vornherein belehrend zu sein. Erst wenn ich etwas nicht konnte, erklärte sie sachlich und gab hilfreiche Tipps.
Eine der Autobahnfahrten… ich weiß noch dass ich fragte, wo wir hinfahren würden und sie nur sagte: „Fahren Sie einfach.“ Das tat ich dann. Die Fahrlehrerin neben mir machte die ganze Zeit einen ziemlich ruhigen Eindruck. Irgendwann fragte ich mal, ob ich denn mal wieder langsamer fahren solle (es war ein ziemlich langes Stück freigegeben – ich nutzte die Gelegenheit), hier bekam ich auch nur eine knappe Antwort: „Nein, Sie machen das gut so.“ – Ich weiß jetzt nicht ob das üblich ist, dass man als Fahranfänger mit dem Auto (es war ein Audi A1) mit 180 km/h so ‚herumheizen‘ kann, ohne das der Fahrlehrer einen Ton sagt.
Jedenfalls merkte ich damals, dass mir besonders Autobahnfahren sehr viel Spaß macht und auch liegt. Das hat sich bis heute nicht geändert.
Aber noch einmal kurz zurück zu diesem Ferienkurs…
Auch hier empfand ich es als sehr angenehm, dass wir Teilnehmer jeden Tag Fahrstunden hatten. Ich konnte mich ziemlich schnell auf das Auto einstellen und wir übten diverse Standardprüfungselemente. Gegen Ende der Ferien stand dann auch die praktische Prüfung an. Ich war sehr nervös. Hieß es doch auch, dass der Prüfer des Tages wohl ein besonders strenger sein solle. Aber meine Fahrlehrerin beruhigte mich und sprach mir Mut zu, dass ich alles gut könne, wir alles geübt haben und ich zuversichtlich sein solle. Während der Prüfung kamen wir an einigen schwierigen Kreuzungen vorbei, aber ich bekam alles gut hin. Letztlich bestand ich dann „sehr sicher“, so die Worte des Prüfers.

Ich besitze zwar kein eigenes Auto, aber meine Fahrangebote (zB Partner) wurden immer gern angenommen. Wenn ein Auto ganz neu für mich ist, stürze ich mich nicht gleich in den Stadtverkehr, sondern teste ertsmal kurz auf einem Parkplatz o.ä. an, wie es sich verhält. Beschleunigt, abbremst etc. Da ist ja auch jedes Auto anders und hat immer sein ganz eigenes Feeling. Da brauche ich 2-3 Minuten um mich einzugewöhnen.
Ich halte mich für eine ziemlich gute und sichere Fahrerin. Bisher habe ich auch noch nichts Gegenteiliges gehört. Ich habe schon in einigen wirklich sehr gefährlichen Situationen auf der Autobahn intuitiv richtig reagiert, was den Umgang mit dem Auto angeht und so auch (vermutlich) schlimme Unfälle verhindert. Das ich nach sowas dann dennoch fertig war, das ist denke ich normal. Das würde auch Nicht-Autisten so gehen. Nächsten Parkplatz aufgesucht und erstmal Pause gemacht.
Liegt aber sicher auch mit daran, dass wie oben schon beschrieben, mir Autobahnfahrten wirklich Spaß machen.
Je höher meine Geschwindigkeit, desto konzentrierter bin ich. Wenn es das Auto hergibt, dann fahre ich auch gern mal 200 an entsprechend freigegebenen Stellen. Im Gegensatz zum Stadtverkehr finde ich die Autobahn auch verhältnismäßig reizarm. Kein Gegenverkehr, keine Ampeln, keine unübersichtlichen Kreuzungen, kein Schilderwald, keine Radfahrer oder plötzlich auftauchende Fußgänger etc.
Auf der Autobahn kann ich sehr vorausschauend fahren oder sehe rechtzeitig andere Autos von hinten herannahen. Ich kann auch oft relativ sicher einschätzen, ‚wie‘ jemand fährt. Sehe ich es doch frühzeitig. Also ob wer ausschert und dann erst blinkt (oder auch gar nicht), in meinen Sicherheitsabstand zum Vordermann einfach mal einschert und meine Geschwindigkeit vollkommen falsch einschätzt oder ob wer herumeiert, weil er abgelenkt ist etc. So kann man schon im Vorfeld einige blöde (und unnötige) Situationen verhindern, weil man sich darauf einstellen kann.
Wer selbst viel Autobahn fährt und das hier liest, der weiß, dass auf deutschen Autobahnen gern mal gefahren wird, als hätten einige den Führerschein im Lotto gewonnen (RW).

Während der Autofahrt höre ich gern Musik. Im Endeffekt hilft es mir sogar dabei mich zu konzentrieren. Meine Playlist habe ich immer auf einem USB-Stick mit dabei. Für mich persönlich ist das ein angenehmer Ausgleich zum Fahren. Es ist dann auch immer wieder eine gewohnte und gleichbleibende Komponente. Radiogedudel mit den Ansagen dazwischen, der Werbung… das würde mich eher nerven.

Navigationsgeräte (mit diesen Fahrspurassistenten für Kreuzungen) sind natürlich auch eine tolle Erfindung. Der Stress entfällt eine Adresse zu suchen oder in einer Stadt in der man sich nicht auskennt, kann man dadurch deutlich sicherer fahren. Auch die voraussichtliche Ankunftszeit und/oder noch zu bewältigende Entfernung können Sicherheit bieten. – Wenn man allerdings einen gewissen Termindruck hat, der trotz ausreichend Zeiteinplanung durch langen Stau oder andere Vorkomnisse dann immer näher rückt… das kann dann u.U. Stress verursachen.

Letztlich ist es natürlich eine sehr individuelle Entscheidung ob es sich jemand zutraut den Führerschein zu machen. Vielleicht ist es ja eine Alternative zum ‚üblichen Prozedere‘, die ich hier beschrieben habe. Solche Intensiv-Ferienkurse gibt es sicher in vielen Städten.


Das Header-Foto zeigt eine Kreuzung vor dem ‚Hôtel de Ville‘ in Paris.

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Telefonieren

Heute merke ich es wieder einmal ganz besonders, wie sehr ich doch durch den Autismus eingeschränkt bin.
Telefonieren fällt mir schon immer unglaublich schwer. Man muss so viele Dinge beachten. Bei Nicht-Autisten läuft das in den meisten Fällen sehr intuitiv ab… sie wissen wann sie dran sind mit reden und können das mit dem Smalltalk, als wäre es die leichteste Sache der Welt.
Ich hingegen… ich muss mich auf ein Telefonat vorbereiten. Was will ich sagen, was könnte der andere sagen… ich brauche hierauf wieder eine angemessene (und zügige) Reaktion usw. usf. Da entsteht jede Menge gedanklicher Druck, der auch schnell zum Ballast werden kann.
Auch kostet es mich viel Energie, überhaupt dann eine Nummer zu wählen. Ich weiß ja schließlich noch immer nicht, was oder wer mich erwartet (zumindest oftmals). Ist eine Frau am anderen Ende des Hörers oder doch eine Männerstimme? Wie wird sie mich anreden. Rechne ich damit oder bin ich dann überrumpelt, weil vielleicht eine eher unübliche Grußformel gewählt wurde?
Es kann dann sehr leicht passieren, dass ich schon nach dieser Situation komplett den Faden verliere, rumstammele und überfordert bin. Ich dann nicht mehr weiß, wie ich mich verhalten soll, weil mein Gefühl des geplanten Gesprächsablaufs hier schon nicht mehr greift.
Ich fühle mich deutlich sicherer, wenn ich Dinge planen kann oder sie vorhersehbar sind. Bei einem Telefonat ist man jedoch sehr abhängig von seinem Gegenüber, dass man noch nicht einmal sieht.

Ganz besonders anstrengend ist es für mich, wenn ich den Mut gefunden habe, irgendwo anzurufen, dann aber nicht die richtige Person erreiche. Der Anrufbeantworter dran ist, ein Kollege den Anruf annimmt oder es einfach nur klingelt ohne dass jemand den Hörer abnimmt.
Heute ist es so, dass ich mit jemandem in einer Behörde sprechen wollte. Leider gibt es mittlerweile keine direkte Durchwahl mehr. Ich muss also eine zentrale Nummer anrufen.

Punkt 1: Als ich heute Morgen dort anrief kurz nach 9, hing ich knappe 10 Minuten in der Warteschleife. Furchtbare Musik und zwischendrin Bandansagen, dass der nächste freie Mitarbeiter ja unbedingt für mich reserviert wäre. Dann nach 5 Minuten Warteschleife mit eingestreut: ‚Wenn Ihnen die Wartezeit zu lang wird, versuchen Sie es später noch einmal.‘
Hier schon das erste Dilemma. Nun bin ich schon so lang in der Warteschleife und habe tapfer durchgehalten, soll ich wirklich auflegen oder geht nicht vielleicht doch jeden Moment jemand dran? Dann ärgere ich mich andererseits über diese sinnlos verplemperte Wartezeit, die mir schon so einiges abverlangt hat. Letztendlich habe ich dann doch frustriert aufgelegt.

Punkt 2: Ich sammelte wieder all meinen Mut. Versuchte mich zu beruhigen und wählte erneut die Nummer. Nun wieder das gleiche Spiel – kenne ich ja von vorhin. Erst tutet es und dann Musikgedudel mit dieser Bandansage. Nach etwa 4 Minuten hörte ich es dann in der Leitung klacken und ein Herr mit freundlicher Stimme meldete sich. Allerdings kam keine weitere Einleitung von ihm. Hier war ich schon wieder deutlich gestresst. Musste ich doch nun schnell reagieren. Immerhin hatte ich mir einige Notizen auf einem Zettel gemacht und fand dann doch in das Gespräch zurück.
Ich schilderte mein Anliegen und dann begann der Smalltalk von meinem Gegenüber. Er gab meine Daten in den Computer ein und wollte vielleicht so eine ’nette‘ Atmosphäre schaffen oder einfach nur die Zeit etwas schneller verstreichen lassen. Sicher. Ein Nicht-Autist hätte sich über diese Geste sicherlich gefreut. Für mich bedeutete es Stress pur, denn darauf war ich nun überhaupt nicht vorbereitet. Ich stammelte rum, lachte ein- zwei mal verlegen oder gab kurze knappe Antworten, die vielleicht seltsam (abweisend?) auf mein Gegenüber gewirkt haben mögen. Aber der Herr bemühte sich weiter.
Ich war aber einfach nur froh, wenn ich da halbwegs ohne grobe Schnitzer durchkomme. Meine Daten waren dann also eingegeben und man vertröstete mich, dass man mich nicht weiterverbinden könne, sondern ein Rückruf erfolgen wird. Ich willigte ein und nach einem kurzen Abschiedsgruß legte ich auf.

Punkt 3: Ich warte nun mittlerweile über 6 Stunden auf den besagten Rückruf.
Ich versuche nun zu beschreiben, was dieses Warten auf den unbekannten Zeitpunkt des Anrufes, mit mir macht.
Ich bin nervös, kann mich nicht mehr konzentrieren, ich kann meinen gewohnten Routinen nicht nachgehen. All meine Gedanken kreisen nur noch um diesen Rückruf. Ich habe Angst auf Toilette zu gehen, weil ja dann genau das Telefon klingeln könnte. Oder nehme ich das Telefon mit, während ich gerade im Bad bin? Ich kann selbst dann nicht zurückrufen, weil ich wieder nur in der Zentrale lande. Ein unglaublicher Stress, der sich in mir aufbaut, je länge ich warten muss.
Ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung unwohl, die doch eigentlich mein kleiner Schutz- und Schonraum ist.
Nicht nur, dass sich ja mein Anliegen gar nicht klärt, ich nichts dagegen tun kann – nein, es zerschießt mir eben auch noch meinen Tag. Ich bekomme rasch Bauchweh, so als müsste ich mich übergeben. Meine Gedanken drehen sich im Kreis, ob ich es noch schaffe mich verständlich auszudrücken, in diesem Zustand der Unruhe und Nervosität, dann bei einem möglichen Anruf der ja jederzeit kommen könnte. Und auch jetzt… ich bin unglaublich gestresst, weil jeden Moment das Telefon klingeln kann, während ich hier schreibe. Ich dann aus dieser Tätigkeit herausgerissen werde. Ich bin sehr gestresst und es frisst unglaublich viel Energie. Ich bin unkonzentriert und müde aufgrund all der Anspannung, die meinen ganzen Körper betrifft.
Ich verkrampfe, sitze steif, presse beider Kiefer aufeinander… dann bekomme ich Zahnweh und manchmal auch Kopfweh davon. Sogar meine Zehen und Finger verkrampfen sich. Manchmal sitze ich aber auch… ich denke es geht gerade einigermaßen und dann merke ich, wie stark verkrampft ich doch bin.
Ich muss mich bewusst dazu bringen, die Muskeln wenigstens für einen Moment mal wieder zu lockern. Ich versuche meinen Mund zu entspannen. Meistens klappt das alles aber nur für wenige Momente. Dann hat mich der Strudel der Anspannung wieder. Mittlerweile habe ich Schmerzen.
Nun sitze ich hier… ich weiß, dass ich heute nichts mehr Zustande bringe. Mein Tagesablauf komplett ruiniert ist. Ich fühle mich nicht wohl.
Nun nach dieser langen Wartezeit kommen weitere Fragen hinzu… kommt heute überhaupt noch der Anruf? Kommt er erst morgen? Was ist der Grund? Hat man mich vergessen? Muss ich morgen dort erneut in der Zentrale anrufen? Oder wissen die das noch mit dem Rückruf und haben es heute einfach nicht geschafft? Diese Ungewissheit macht mich fertig. Sie wird mich so lange beschäftigen, bis ich dieses Telefonat doch irgendwann hinter mir habe. Nur wer weiß, wann das sein wird.

Und doch…

Ich habe mittlerweile die positive Erfahrung machen dürfen, dass ich telefonieren kann und es mir sogar Spaß macht. Was ich dafür aber benötige? Vertrauen zu der Person am anderen Ende der Leitung. Ich muss die Person bereits kennen, dann fällt es mir deutlich leichter. Ob nun ‚Real-Life‘ oder Twitter ist hierbei gleichwertig. Besonders unkompliziert empfinde ich es mit anderen Autisten. So hab ich schon mehrere Stunden mit einer anderen Autistin telefoniert, die ich bis dahin nur durch Twitter kannte und selbst nicht gern telefoniert.

Heute… Ich fühle mich schlecht, weil ich es einfach nicht hinbekomme. Andererseits war ich froh, dass ich dort ein zweites Mal anrief, die Warteschleife ertragen hatte und auch das Gespräch einigermaßen hinbekam. Ich freute mich einen kurzen Moment lang. Dann aber wieder die Zweifel… warum bekomme ich so eine Kleinigkeit einfach nicht hin? Bekomme ich doch (vermeintlich) viel schwerere Dinge mühelos hin. Und hier scheitere ich (gerade auch für Außenstehende) an so einer ‚Kleinigkeit‘. Wie passt das zusammen? Strenge ich mich nur einfach nicht genug an?
Mir wurde schon oft gesagt… ‚Du musst einfach mehr üben, dann wird das schon.‘
Ich merke aber… es liegt definitiv nicht an fehlender Übung. Es liegt an den vielen Unbekannten.

Dieses Dilemma ist es, was mich heute besonders traurig macht. Weil ich weiß, dass ich es eigentlich kann. Es nichts mit fehlender Anstrengung, Mut und Zuversicht zu tun hat.
Nur meine Behinderung… die legt darauf überhaupt keinen Wert, was ich eigentlich kann und was nicht.

Sie macht es mir nicht leicht mit fremden Menschen zu telefonieren.
Sie ist einfach nur da, ob ich will oder nicht.

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personal: Einer dieser Tage… (ABA)

Heute ist einer dieser Tage, an denen mal wieder besonders deutlich wird, wie manche Menschen auf erwachsene Autisten herabblicken.
Worauf ich mich konkret beziehe ist eine Diskussion auf Facebook über einen Radiobeitrag zum Thema ABA.
Das Thema ABA sorgt in aller Regelmäßigkeit für lange Diskussionen. Auffällig jedoch ist bei allen diesen, dass von Seiten der ABA-Befürworter immer und immer wieder deutlich gemacht wird, wie sie erwachsene Autisten sehen. Definitiv nicht auf Augenhöhe. Es werden gerne sachliche Kritik, sowie Gegenargumente verdreht und als persönliche Angriffe oder Aggressivität dargestellt. Auffallend oft tituliert man sich selbst zum Opfer, wenn man merkt, dass man gegen diese Informationsflut und auch dieses gefestigte Hintergrundwissen, das viele Autisten mittlerweile zum Thema ABA haben, nicht mehr ankommt.
Es werden Unterstellungen gemacht, verleumdet, gedroht und andere verbale Entgleisungen für alle frei lesbar von sich gegeben. Natürlich nicht ohne das nur all zu gern genutzte: „Sie haben keine Ahnung.“ „Das ist anderes ABA.“ etc etc… die Liste der Rhetorik ist lang und nicht immer einfach zu durchschauen.

Etwas was mich heute ganz besonders verärgert hat, war folgende Aussage von Frau Klemm:

„Jetzt gehe ich mal davon aus, dass Sie alle auf. HartzIV sind und dann kann ich das auch noch selber bezahlen.“

(falsches Satzzeichen stammt nicht von mir, sondern gehört zum Zitat)
Nachzulesen ist die Diskussion >hier< (Link zu Facebook).

Allein diese Aussage ist ein sprichwörtlicher Schlag ins Gesicht erwachsener Autisten. Es ist diskriminierend und abwertend. Sehr viele Autisten wünschen sich Arbeit und einen Platz auf dem 1. Arbeitsmarkt. Sie bekommen nur leider keine Chance dazu, weil in der Gesellschaft oftmals noch immer das Bild vom anstrengenden Behinderten herrscht. Inklusion Fehlanzeige.
Das aber tatsächlich Arbeitgeber von der Leistungs- und Einsatzbereitschaft von Autisten profitieren können, wenn sie gewisse Rahmenbedingungen schaffen (z.B. kein Platz im Großraumbüro, schriftliche statt telefonische kurzfristige Kommunikation), dass wird gern übersehen. Was zuerst bedacht wird: Es macht Arbeit, diese Rahmenbedingungen zu schaffen.
Genau das ist der falsche Ansatz und warum so viele von uns leider auf HartzIV angewiesen sind. Erwachsenen Autisten wird oft noch nicht einmal die Chance gegeben, sich zu beweisen und so jedwede Möglichkeit genommen, um mögliche Vorurteile auszuräumen. Zumindest nicht, wenn sie offen mit ihrem Autismus umgehen.

Der oben zitierte Kommentar ist nur ein stellvertretendes Beispiel dafür, dass wir oftmals nicht ernstgenommen werden. Uns noch nicht einmal ein gewisser Respekt als Menschen entgegen gebracht wird. Das ist erschreckend und unglaublich verletzend. Das ist nicht nur in diesem Beispiel der Fall, sondern auch hinter so manch anderen Kulissen. Beispiel Aktion Mensch.

Für mich ist dies alles auch ein Grund mehr, mich weiter im Aktivismus zu engagieren. Das man sich damit keine Freunde macht, das merkt man immer wieder. Aber für mich persönlich ist es wichtig, dass ich für die nachfolgende Generation etwas bewirken und verändern kann. Veränderung in den Köpfen geht leider nicht (immer) von heute auf morgen.

Das es auch Menschen gibt, die erwachsenen Autisten mit Anstand und Respekt begegnen… sie ernst nehmen – diese Erfahrung habe ich selbst erst vor kurzem privat machen dürfen.

Es ist also noch nicht alles hoffnungslos verloren.

Der Einsatz lohnt sich – wenn auch nicht unbedingt für mich selbst als erwachsene Autistin, dann wenigstens für die vielen autistischen Kinder, die sich vielleicht (noch) nicht in der Lage sehen, sich gegen diese Methoden zu wehren.

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personal: Akzeptanz und Zufriedenheit

…oder auch: Genießen muss wieder neu gelernt werden.

So ging es mir in den letzten Monaten zumindest. Aber kurz etwas weiter zurück in der Zeit.
2015 ging mehr als unglücklich für mich zu Ende. Ich stand vor dem Nichts.
Rückblickend kann ich aber klar sagen, dass dieses ‚Nichts‘ deutlich besser war als das, was ich davor hatte. Ich war gefangen in einem Konstrukt aus Lügen und verdrehter Realität, dass ich nicht selbst geschaffen hatte. Über all die Jahre erkannte ich nicht, dass es absolut schädlich für mich und meine Psyche war. Dieser Knall mit dem es endete – es tat weh. Sehr. Doch tief im Innern wusste ich, dass ich bereit war. Nur die Gefühle verstanden noch nicht. Und machten mir neben ein paar weiteren unbeeinflussbaren äußeren Umständen, den Dezember zusätzlich noch schwerer, als er eh schon war. Emotionaler Ausnahmezustand. Reboot.
Ich entschied mich für einen absoluten Neuanfang. Mittlerweile bin ich frei. Glücklich und zufrieden. Ich weiß nun, ich bin auf keinen Fall für das Fehlverhalten anderer verantwortlich! Und ich lasse mir das auch niemals wieder einreden. In den letzten Monaten bin ich unglaublich gewachsen. Emotional und mental. Mittlerweile ist es auch Tag 200 an dem ich rauchfrei bin.

Tatsache für all diese riesigen Veränderungen ist, dass ich endlich akzeptierte, dass sich manche Dinge im Leben nicht steuern lassen. Aber ein Gefühl der Machtlosigkeit auch nicht mehr zulassen darf. Das ich in gewissen Bereichen mein Verhalten verändern musste. Ich kann schließlich noch immer entscheiden, wie ich mit diesen Dingen umgehen kann. Mich darüber ärgern, machtlos und klein fühlen oder es einfach als Tatsache akzeptieren und mein Verhalten und meine Gedanken der Situation anpassen, die ich eben nicht beeinflussen kann. „Smile and accept.“
Das ist ein Prozess, der ging nicht von heute auf morgen. Das Gehirn braucht Zeit, neue Verdrahtungen zu schaffen. Ich habe das im letzten halben Jahr immer wieder bewusst ‚aktivieren‘ müssen. Mittlerweile sehe ich deutliche Erfolge, wie ich mit solchen Situationen anders (und gelassener) umgehe als früher. Und ich denke, einen großen Einfluss darauf hatte auch das Ashtanga Vinyasa Yoga, mit dem ich im Februar anfing. Selbstakzeptanz. Es ist nicht schlimm etwas nicht (gut) zu können. Es ist nur nicht optimal, wenn ich nicht wenigstens versuche das für mich negative zu ändern.

Denn aus eigener Erfahrung weiß ich: „Die Perspektive wird sich nicht ändern, wenn man nicht einfach los läuft und schaut, was doch alles passieren kann.“

In den letzten Monaten stellte ich auch fest, wie niedrig meine Ansprüche über all die Jahre eigentlich geworden waren. Zu niedrig. In den falschen Dingen.
Jetzt mit dieser neuen Freiheit war das alles neu und ungewohnt für mich. Ich fühlte mich zu Beginn schlecht, wenn ich mir etwas gönnte. Hatte ein regelrechtes schlechtes Gewissen. Doch mittlerweile habe ich wieder gelernt, dass ich mir selbst doch am wenigsten Rechenschaft schuldig bin, wenn ich etwas tue, was mich glücklich und zufrieden macht. Ich niemanden mehr bitten oder um Erlaubnis fragen muss. Ich tue es nun einfach.

Ich merke, wie ich mein Leben wieder genieße. Im Großen wie im Kleinen. Ich erkenne, wenn ich in alte Verhaltensmuster zurückfalle. Das ist okay. Veränderung braucht Zeit – doch ich steuere nun schneller dagegen. Die Gedankenspiralen sind deutlich weniger geworden. Dafür habe ich mehr Strategien für dieses oder jenes entwickelt, die gezielter und effektiver zum Einsatz kommen.
Das gelang mir nur, weil ich auch explizit nach meinen Verhaltensweisen fragte, offen für Kritik war und diese eben auch annahm. Es war nicht immer angenehm zu hören, welche Denkweisen letztendlich doch zu verbissen oder gar destruktiv waren. Das zu akzeptieren tat zunächst weh – doch im Endeffekt… ich sehe, wie sehr es mir hilft, die Perspektive ab und an zu verändern. Es ist jedes mal auf’s neue harte Arbeit, die ich aktiv bewältigen muss, aber die Erfolge motivieren weiter.
Meine Schlafstörungen die ich all die Jahre hatte. Im Grunde: weg. Keine Medikamente. Gesunder Schlaf. Vorbei die Zeiten, in denen ich pro Nacht – wenn überhaupt – mal 2-3 Stunden Schlaf fand… Im Nachhinein frage ich mich wirklich, wie ich das überhaupt über Jahre aushalten konnte.

Das alles führt dazu, dass ich mittlerweile wirklich glücklich und zufrieden bin. Ich brauche nicht viel. Ich habe meine Tochter. Eine kleine Wohnung für uns beide. Heidelberg. Inspiration. Mut und Zuversicht. Ich bin wieder kreativ und mache Fotos. Und vor allem… ich bin endlich ich selbst.
Das was noch vor mir liegt, macht mir keine Angst mehr… im Gegenteil. Ich freue mich auf das, was wohl noch kommen mag.
Wenn das keine Zufriedenheit ist, dann weiß ich auch nicht.

Eines der Lieder aus meiner aktuellen Playlist: Hurts – Illuminated

 
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Nur ein Stück Papier?

Das Diagnoseschreiben.
In der Autismus-Community spaltet es wie nichts anderes.

Was ich heute ganz stark auf Twitter festgestellt habe ist, dass die Selbstdiagnostizierten leider oftmals dieses fehlende Stück Papier aus verschiedensten Gründen verteidigen. Lebensläufe sind alle unterschiedlich und es mag vielfältige Gründe geben, warum jemand keine professionell erstellte Diagnose erhält.
Ich persönlich verstehe nicht, wie behauptet werden kann, man wäre mit diesem Stück Papier elitär. Irgendwie schwingt da dieser Unterton mit („Du hälst dich für etwas besseres, weil du hast eine und ich nicht.“). Kann sein das ich mich da irre, es ist nur mein Empfinden.
Ich verstehe absolut, wenn manche verzweifeln, weil sie keine Kraft für diesen anstrengenden Weg, des monatelangen Wartens auf den Termin, haben. Das Leben drumherum kann viele Gründe dafür liefern. Deswegen ist dieser Mensch keineswegs schlechter. Doch ich verstehe nicht, wenn aus dieser Verzweiflung heraus nicht offen gesagt/geschrieben wird, dass man eben keine offizielle Diagnose hat.
Jemand der von sich selbst aus sagt, ich habe den Verdacht zum Spektrum zu gehören, ich möchte mich gerne engagieren, aber ich will/kann aus diversen Gründen keine Diagostik machen, den respektiere ich gleichermaßen wie jemanden, der diesen aufwändigen Weg gegangen ist. Aber bitte auch so kommunizieren, welcher Gruppe man angehört. Das beide Gruppen auf der gleichen Seite stehen und für eine bessere Zukunft eintreten, dass sollte das gemeinsame Ziel sein. Zumindest ist das meines.
Was mir persönlich wichtig ist, ist die Tatsache der Offenheit und Ehrlichkeit.
Das wiederrum mündet in Vertrauen.

Was ich leider feststelle ist, dass dieses Vertrauen oftmals fehlt. Nein, eher ziemliches Misstrauen herrscht.
Da folgen dann gerne Sätze wie: „Aber was ist mit den falsch positiv/negativ diagnostizierten?“ oder: „man sei Autist seit der Geburt und nicht erst ab diesem Stück Papier“.
Natürlich.

Das gegenseitige Vertrauen ist das, was meiner Meinung nach die Community stark macht. Da braucht es keine Zweifler in den eigenen Reihen. Entweder ich vertraue auf die Korrektheit der ärztlichen Diagnose oder der Zweifel zerfrisst mich und ich drehe mich im Kreis, anstatt vorwärts zu kommen.
Wenn ich mich für etwas einsetze, dann habe ich den Standpunkt für mich klar definiert. So das ich das mit meinem Gewissen vereinbaren kann und darauf achte, dass durch meine Handlungen keine Nachteile für andere entstehen.

Zwietracht ist doch genau das, was unglaubwürdig macht. Kräfte werden geopfert, die an anderer Stelle viel wichtiger wären. „Wenn Zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte.“ (RW)
Das ist das Gleiche wie im Sport. Es gibt zwei Varianten. Den anderen respektieren: die beiden führenden Player pushen sich gegenseitig zu neuen Höchstleistungen oder aber den anderen manipulieren wollen: sie beharken sich gegenseitig, zerren am Trikot, machen Fehler, fallen hin und die anderen (in diesem Falle: Therapien mit schädlichen Langzeitfolgen) kommen gemütlich und ohne großen Aufwand vorbei.
Zu welcher Variante willst du gehören?
Pushen oder hinfallen?
Pushen geht nur, wenn Player 1 offen zeigt was er kann. Player 2 mobilisiert seine Kräfte und will mehr – in dieser Zeit hat Player 1 die Möglichkeit der Regeneration, um erneut seine Leistung verbessern zu können. Und so weiter und so fort…

Ich vertraue darauf, dass jemand der behauptet er sei Autist, dies auch von ärztlicher Seite her hat abklären lassen. Ich will nicht zweifeln. Zweifeln macht kaputt. Wenn die Diagnose kein Facharzt bestätigt hat, auch gut, das respektiere ich. Aber dann sei offen und ehrlich. Deine Unterstützung wird dennoch benötigt.
Nur Ehrlichkeit schafft langanhaltendes Vertrauen.
Gegenseitiges Vertrauen macht gemeinsam stark.
Ich für meinen Teil möchte nicht ständig beweisen müssen, dass ich das Diagnoseschreiben hier abgeheftet in einem Ordner habe, weil man mir nicht glaubt. Ich bin nicht besser als andere, nur weil ich dieses Stück Papier habe. Wäre ich stolz darauf, würde es in einem goldenen Rahmen über meinem Schreibtisch hängen. Doch ich bin nicht stolz darauf. Warum sollte ich? Ich habe nichts geleistet dafür. Es ist keine Medaille.
Im Gegenteil, es ist ein Mahnmal dafür, dass ich härter arbeiten muss als andere Menschen, um Gleiches zu erreichen.

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Wahrnehmung der Reize um mich herum

…oder auch: mein Autismus und ich.

Das das Leben als Autistin nur durch die veränderte Wahrnehmung bestimmt wird, würde ich so direkt jetzt nicht behaupten, aber ich kann es letztendlich auch nicht ‚ausschalten‘ und so arrangiert man sich damit. Manchmal hat es aber auch Vorteile, die Welt um sich herum anders wahrzunehmen.

Sehen (visuelle Wahrnehmung):
Ich kann ziemlich gut sehen. ‚Adlerauge‘ wurde ich schon oft genannt. Details in der Ferne nehme ich recht schnell wahr und auch sonst sind es die kleinen Dinge, die mir als Erstes auffallen.
Andererseits bin ich sehr Lichtempfindlich. Ohne Sonnenbrille gehe ich praktisch nie aus dem Haus. Selbst ein bewölkter Himmel ist manchmal schon zu hell und Autofahren ohne Sonnenbrille wäre meinerseits grob fahrlässig, da das schon bei nur leichtem Sonnenschein ein vollkommener Blindflug wäre.

Hören (auditive Wahrnehmung):
Ich nehme alle Töne um mich herum gleich stark wahr – auch wenn sie nicht direkt neben mir erzeugt werden. Shoppen in der Stadt kann ziemlich anstrengend sein. Das Unterhalten der Leute, Autos die vorbeifahren, Kinder die weinen oder kreischen, Baulärm, Musikgedudel aus irgendwelchen Lautsprechern und am besten irgendwo noch ein Straßenmusiker. Ein Orchester aus Tönen, das mit noch anderen Reizen schnell zum Overload führen kann. Hier hilft eigentlich nur mein mp3-player mit Kopfhörern und recht lauter Musik, die mich von den anderen akkustischen Reizen abschirmt.
Andererseits half es mir schon ein paar mal aus brenzligen Situationen. Ein kleines Beispiel wäre da ein Winter vor einigen Jahren. Ich war mit 2 Bekannten in der Stadt unterwegs, als ich ein immer näher kommendes Rauschen/Rattern hörte und die Richtung auch schnell zuordnen konnte. Oben vor uns. Ich reagierte schnell und rief „stopp“. Keine 2 Meter vor uns krachte dann eine Dachlawine mit großen Eisplatten auf den Gehsteig. Hätte sicherlich Kopfverletzungen gegeben. Meine beiden Begleiter staunten nicht schlecht, woher ich das denn wusste.

Noch etwas zum Thema Musik… – gut, ich kann mir zwar nicht so richtig vorstellen, wie genau das Nicht-Autisten wahrnehmen, aber ich habe mir sagen lassen, dass wohl eher oberflächlich hingehört wird. Also die ‚Vordergrundmelodie‘ oder z.B. ein eingängiger Bass zuerst wahrgenommen wird oder gar nur der Text mit ‚Gedudel im Hintergrund‘. Das ist auch keinesfalls abwertend gemeint – nicht das mich da jemand falsch versteht. Bei Musik-Affinen Menschen (Berufsmusiker) ist das sicherlich nochmal anders – das ist mir bewusst.
Was ich eigentlich schreiben wollte ist, dass Musik bei mir sehr vielschichtig ankommt. Ich höre jedenfalls sofort die kleinen Nuancen in so einem Musiktitel. Die Instrumente, Loops etc. die das Lied unterstützten und nicht nur die, die mit ‚Krawumm und Ratata‘ ordentlich nach vorn und oben gedreht wurden.
Dadurch dass ich in Bildern denke, werden Worte und andere Töne die ich höre, sofort visuell von meinem Gehirn verarbeitet. Ich ’sehe‘ also quasi die Musik. Der Titel dröselt sich in meinem Kopf wieder in die einzelnen Tonspuren auf. Es fällt mir schwer das zu beschreiben, was ich meine. Vermutlich sollte ich mich mit einem Berufsmusiker bzw. Musikproduzenten mal genau darüber unterhalten, um das selbst richtig zu analysieren.

Riechen (olfaktorische Wahrnehmung):
Hier habe ich besonders beim Einkaufen meine Probleme. Die Putzmittelabteilung im Supermarkt zum Beispiel… hier mache ich immer einen großen Bogen drum. Es geht so weit, dass es mir Schmerzen bereitet, solch extreme Gerüche riechen zu müssen.
Ein Vorteil allerdings ist es, wenn ich an Lebensmitteln rieche. Ich bemerke schnell, wenn die nicht mehr in Ordnung sind, auch wenn sie noch gut aussehen.

Schmecken (gustatorische Wahrnehmung):
Hier ist es ähnlich, wie ich es oben schrieb. Daheim beim Kochen bin ich eher sparsam, was Gewürze betrifft. Ich genieße lieber den ‚reinen‘ Geschmack des Lebensmittels. Oft genug durfte ich mir auch schon anhöhren, dass das Essen doch erst mit den Gewürzen schmecken würde. So der Geschmack erst herausgekitzelt werden würde. Da kann ich nur abwinken.

Tasten (taktile Wahrnehmung):
Hier liegt der Knackpunkt bei der Kleidung. Bei Kleidung hab ich keine bestimmten Vorlieben, ob nun enganliegend oder weit geschnitten – die Stoffqualität ist eher ausschlaggebend. Kratzige Kleidung ist nicht nur ‚etwas unangenehm‘ auf der Haut, es macht mich wahnsinnig. Zu viele Reize. Deswegen bevorzuge ich weiche und fließende Stoffe und von besserer Qualität.

Berührungen: Ich gehe hier mal etwas spezieller drauf ein.
Wenn ich gestresst bin, kann ich Berührungen gar nicht haben. Ebenso unerwartete, z.B. wenn mir jemand ‚aus Spaß‘ von hinten in die Seite piekt oder ähnliches. Alles andere als witzig für mich.
Generell jedoch mag ich Berührungen. Je fester, desto angenehmer ist es für mich.
Nicht gerade unüblich für Autisten.

Schmerzwahrnehmung: Das ist auch wieder etwas ganz Eigenes. Reize die von Außen kommen, bedürfen schon eines stärkeren Grades, damit ich sie tatsächlich als Schmerz wahrnehme. Ich weiß noch genau die Situation, als ich die Spinalanästhesie vor dem Kaiserschnitt bekommen hab. Was wurde vorher groß erklärt, dass ich mich keinesfalls bewegen dürfe – trotz der vorherigen örtlichen Betäubung würde man es spüren, wenn die Nadel gesetzt werde. (Man wird dann ja trotzdem noch von 2 weiteren Personen in dieser gebeugten Position festgehalten, damit man wirklich nicht zuckt.) Aber zur Verwunderung des Personals, keine Schmerzreaktion von mir.
Im Gegensatz dazu Schmerzen die mein Körper selbst (also von Innen) erzeugt, nehme ich deutlich heftiger wahr. Das Thema Schwangerschaft war da in der Hinsicht auch ‚interessant‘.
Aber das ist irgendwann mal einen eigenen Blogpost wert.

Temperaturempfindung:
Hier überschneidet sich das Thema mit der Kleidung wieder. Ich kleide mich eher zu kühl als zu warm. Hohe Temperaturen empfinde ich als unangenehm, ich hab’s lieber etwas kühler. Sommertemperaturen bringen mich schnell an meine Grenzen. Alles jenseits der 26°C ist mir zu warm.
Was jedoch das Bad in der Badewanne oder Duschen angeht… das Wasser kann kaum zu heiß für mich sein. Alles unter 40°C nehme ich hierbei – warum auch immer – als zu kühl für mich wahr. Bevorzugte Temperatur liegt hier bei 44°C. Besonders im Winter, wenn der Körper generell etwas ausgekühlter ist.
Ich mag dieses stechende Kribbeln sehr. Es hilft mir dabei, meinen Körper mal wieder bewusst wahrzunehmen. Die Körpergrenzen fühlen. Schwierig zu beschreiben. Diese Temperaturreize wirken sehr beruhigend auf mich und das ist einer der wenigen Momente, in denen ich mich mal richtig tief entspannen kann.

Das war nun alles, was mir als Erstes in den Sinn kam. Sollte mir in nächster Zeit noch etwas zu diesem Thema einfallen, werde ich es nachtragen. Fragen sind aber auch gerne willkommen. :-)