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Behind the Scenes: 3. Heidelberger Schlossbeleuchtung 2016

Im Artikel der RNZ zum Event wurde ich zitiert :-)
Nachzulesen >hier<

(Lesezeit circa 4 Minuten)

03. September 2016… Ein warmer, sonniger Tag. Je näher ich der Heidelberger Altstadt und speziell der Alten Brücke (Karl-Theodor-Brücke) komme, desto voller wird es.
Mittlerweile ist es 17 Uhr. Die Alte Brücke wird für die Öffentlichkeit gesperrt. Kurz darauf kommt auch schon der LKW mit der Pyrotechnik angerollt.
Nun beginnt auch meine Arbeit.
Ein Dankeschön geht hier an die Heidelberg Event und Beisel Pyrotechnik, die so freundlich waren, mich einen Blick ‚Hinter die Kulissen‘ werfen zu lassen, um das Ganze für Euch fotografisch zu dokumentieren. Was also gehört alles dazu, damit so ein Spektakel ohne Zwischenfälle funktioniert?

Wichtig zunächst natürlich die Arbeit der Polizei, DRK, Feuerwehr und DLRG, die für die Sicherheit der Zuschauer sorgen und gegebenenfalls auch geduldig die Fragen der Passanten beantworten.
Währenddessen Ausladen und Sortieren der Pyrotechnik auf der Brücke. Sofort erhielt ich den eindringlichen Hinweis, dass nun keinesfalls mehr mit Feuer hantiert oder geraucht werden dürfe. – Als mittlerweile erfolgreiche Nichtraucherin natürlich kein Problem für mich.
Pläne studieren für den Aufbau. Was soll wo hin. Bei dieser Gelegenheit erfahre ich, was für Arbeit hier auch bereits im Vorfeld geleistet wurde. Grob kann man sagen, dass 1 Minute Feuerwerk in etwa einen halben Tag Arbeit verursacht.
Die Bomben müssen aus dem Bunker geholt und in Segmenten verkabelt werden. Kleine Info am Rande: Die Bomben werden heute nicht mehr selbst hergestellt, sondern bei speziellen Herstellern eingekauft. Das Bild (ugs. Feuerwerk) muss geplant werden. Die Schlossbeleuchtung findet zwar 3x im Jahr statt, doch ist sie immer wieder abgewandelt. Kein ‚Schema F‘ für den Kunden. Aufbaupläne müssen erstellt werden. Und letztendlich dann der Aufbau vor Ort. Hier mit der Besonderheit, dass die Brücke erst 17 Uhr gesperrt wird und der Beginn nur wenige Stunden später 22:15 Uhr erfolgt. Zeitdruck. Circa 300kg an Pyrotechnik muss schließlich rechtzeitig aufgebaut werden.

„Beim Aufbau schon an den Abbau denken.“ bekomme ich zu hören. Ich frage etwas genauer nach… Hier an der Brücke ist es laut Erfahrung wohl so, dass die Menschen nach dem Feuerwerk bald schon über die Brücke in Richtung Altstadt wollen, um die Nacht noch ausklingen zu lassen. Ungeduldige Menschen und eventuelle Feuerwerksreste, Kabel und die ganzen Aufbauten. Da muss im Vorfeld dran gedacht werden, wie man das schnell und sicher händelt mit dem Abbau.
Gezündet wird übrigens seitlich am Rand der Brücke. Einen Knopf drücken und los geht’s. Alles programmiert heutzutage. Niemand mehr, der sich aus Sicherheitsgründen auf der Brücke aufhalten darf. Ich bekomme Geschichten von Unfällen in der Branche zu hören… solch einen Vorfall möchte natürlich niemand heute Abend. Planung und Kontrolle ist alles.

Mittlerweile sind einige Stunden vergangen. Die Pyrotechnik steht. Nun kann die Verkabelung beginnen. Ein ziemliches Kabel-Wirrwarr, aber gut vormarkiert. Die Beteiligten wissen genau was zu tun ist und so dauert es nicht lange, bis alles an den Empfängern angeschlossen ist.

Heute passt das Wetter. Ein leichter Wind weht. Ein Vorteil, denn der Rauch der vielen Zündungen wird zügig weggeblasen werden. Ich erkundige mich, wie das mit schlechtem Wetter so ist. Was bei Regen gemacht wird. Ob überhaupt geschossen wird? Die Antwort ist einfach: die Pyro wird mit einer Plane abgedeckt und die Bomben fliegen bzw. schießen hindurch. Es ist eine ziemliche Kraftentwicklung, die dort in den Abschussvorrichtungen (Rohren) entwickelt wird. Unten in der Bombe das Schwarzpulver, das dann das Effektelement nach oben katapultiert. – Der einzige Weg, auf dem die Kraft entweichen kann. Reine Physik. Das was dann oben am Himmel die schönen Farben und Effekte macht: Chemie. Verschiedene Salze und Elemente die dafür sorgen, dass es dem Zuschauer nicht zu eintönig wird.
Es wird also mit dem Kabel das Schwarzpulver an der Bombe selbst gezündet, sie fliegt nach oben und mit einem kleinen ebenfalls eingebauten Verzögerer dazwischen glüht dieser Teil schwach, um dann am Himmel an der gewünschten Position den eigentlichen Effekt zu zünden.
Um noch einmal kurz auf das Wetter zurück zu kommen… lediglich wenn es zu ungemütlich wird, dann wird nicht gestartet. Das täte den Zuschauern dann letztenendes in der Situation auch keinen Spaß mehr machen, im Starkregen oder Sturm dazustehen und zuzusehen. Je nachdem wie teuer das Bild ist, wird dann auf eine bessere Wetterlücke gewartet, um doch noch zu zünden.
Aber da uns das Wetter heute sehr wohlgesonnen ist, müssen wir uns glücklicherweise darüber keine weiteren Gedanken machen. Im Gegenteil. Nachdem soweit alles steht werden wir noch mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt. Der zunehmende Mond steht mittig und tief als Sichel über dem Neckar. Ein schöner Anblick.

Nun wird es auf dem Neckar vor der Brücke auch immer voller. Die letzten Boote bringen sich in Stellung (mit dabei u.a. auch die „Königin Silvia“) und auch am Ufer auf beiden Seiten tummeln sich immer mehr Schaulustige. Die Ersten sicherten sich bereits schon bei unserer Ankunft die besten Plätze entlang des Neckars und auch oben am Philosophenweg wurde es rasch voller. Von der Brücke aus, konnte man das immer mal wieder gut verfolgen. Viele nutzen die Gelegenheit für ein Picknick mit Freunden. So lässt es sich leben.

21:00 Uhr. Alles fertig verkabelt und aufgebaut. Wohlverdiente Pause. Die Ruhe vor dem Sturm. Und doch macht sich nun langsam die Nervosität breit. Auch bei mir. Die Fotos müssen sitzen. Keine Möglichkeit auf eine Wiederholung des Moments.
Zur Sicherheit der ganzen Pyro blieb ein Mitarbeiter der Firma vor Ort, während die anderen sich stärkten. Ich erfuhr noch jede Menge Interessantes, dass hier nun allerdings den Rahmen sprengen würde. Gegen 21:45 Uhr kamen aber auch schon die anderen zurück. Eine letzte Kontrolle. Das Startpult mit zum nördlichen Brückenende nehmen und dort Stellung beziehen. Nur noch wenige Minuten. Ich verabschiede mich an dieser Stelle und wünsche dem Sprengmeister ein „Gut Schuss“.
Mit Glück habe ich einen guten Platz für meine Aufnahmen vom Feuerwerk gefunden. Ein paar freundliche Mädels ließen mich und mein Stativ noch mit dazwischen. Es stellte sich schnell heraus, dass ich alle ihre Fragen zum Feuerwerk und Aufbau beantworten konnte. Win-Win Situation. So soll es sein.

22:13 Uhr. Die Straßenlaternen erlöschen. Ein erstes Raunen geht durch die Menge.
Pünktlich 22:15 Uhr zündet der Startschuss von der Brücke und kurz darauf oben an den Türmen des Schlosses das Feuerwerk. Danach begann das Schloss für einige Minuten zu ‚brennen‘. Ein schöner Effekt, der da mit bengalischen Feuern erzeugt wird. Dann erlosch das ‚Feuer‘ und das Schloss wurde dunkel.
An der Alten Brücke zündeten nun auch die Vulkane und ließen den ‚Wasserfall‘, beidseitig an den 4 Brückenpfeilern, hinunter regnen. Erneute Begeisterung bei den Zuschauern. Ein weiteres Highlight waren die bunten Watercakes, die für einige Momente auf dem Wasser entlang trieben.
Kurz vor dem Finale gab es noch ein paar weitere der sogenannten „Watercakes“. Diese nun zündeten aber nach einem Augenblick von der Wasseroberfläche, auf der sie schwammen. Auch hier wieder viel Applaus zwischendurch, für diese Effekte.
Zum Finale ließ sich die Firma Beisel natürlich auch nicht lumpen und sorgte für ordentlich Stimmung. – Aber seht selbst in meinem kurzen Video:


Copyright-Hinweis:

Die hier gezeigten Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Keine Weiterveröffentlichung ohne meine vorherige schriftliche Genehmigung!

Paris – IV

Teil I
Teil II
Teil III

Samstag 26.09.2015
Okay. Das war eine kurze Nacht. Sehr kurz. Es hatte direkt an der Kreuzung (irgendwann gegen 4:30 Uhr) vor der Kirche mit mehreren Autos gekracht. An Schlaf war dann bei den Sirenen und Lärm nicht mehr zu denken. Nun denn. Müssen eben 3 Stunden reichen. Also kurz Pulli und Hose überwerfen und raus für ne Zigarette. Gucken, was denn diese Unruhe da draußen verursacht… Joa. Hat ordentlich gescheppert. 3 Krankenwagen, 1 Notarzt, 2 Polizeiwagen und 1 Feuerwehr wegen den ausgelaufenen Flüssigkeiten. Aber nun wieder rein. Ich nutze die Gelegenheit, um mir eine kleine Tour für den Tag zu erstellen. Auf jeden Fall in die Katakomben und ins Le Marais. Pflicht. Notre Dame auch noch kurz und natürlich Eiffelturm heute. Der Rest… spontan. Mal schauen, wo mich die Stadt hinzieht.
Kurz gefrühstückt und schon geht es los in Richtung Notre Dame. Mittlerweile ist es 9 Uhr. Die Stadt ist herrlich unhektisch zu dieser Uhrzeit. Werde ich mir merken.
Nach der Notre Dame geht’s dann direkt weiter zum Eingang der Katakomben. Es ist kurz vor 10 und die Schlange reicht schon um’s Eck. Die Sonne knallt. Warten. Einlass geht gleich los. Nach mir wird die Schlange innerhalb weniger Minuten extrem lang. Glück gehabt. Ich warte ungefähr eine dreiviertel Stunde, bis gefragt wird, ob noch 2-3 Leute mit in die Führung wollen. Jepp. Hier. Ich. Und somit geht es vorbei an den anderen 20-30 Leuten vor mir. Eine größere zusammengehörige Gruppe. Nach der Kasse geht es dann auch direkt hinab. Es beginnt unspektakulär, gibt einige Infotafeln zur Geschichte und Geologie. Man läuft und läuft. Immerhin ist es wirklich angenehm hier unten. Ein willkommener Kontrast zur Hitze oben. Nach etlichen zurückgelegten Metern kommt ein weiterer Durchgang über dem steht: „ARRÈTE! C’EST ICI L’EMPIRE DE LA MORT“. Ab hier dann das eigentliche Highlight dieser Tour. Beeindruckend. Faszinierend. Eine besondere Atmosphäre. Unser Guide erklärt sehr gut auf Englisch. Wir bekommen jede Menge interessanter Geschichten zu hören. Kunstvoll arrangierte Knochen. Nur irgendwann hat das Auge genug… Knochen ohne Ende. Und noch mehr Knochen… Am Ende der Tour geht es natürlich alles wieder nach oben. Einiges Stöhnen vor mir. Dann wieder warten. Und schon bald die letzten Stufen. Herausgekommen sind wir ganz woanders. Kurz orientiert. Auf die Uhr geguckt. Hunger. Also noch eben schnell was zu essen organisiert und ab an die Seine. Sonne genießen. Bei der Gelegenheit stellte ich dann leider auch fest, dass die Metro Samstag Mittag mehr als voll ist. Da drängen sich sehr schnell Bilder der Tokioter Metro auf und wie die Menschen bis auf den letzten Zentimeter noch in den Wagen gedrückt werden. Na zumindest hätte man bei einer Vollbremsung auch nicht umfallen können. Definitiv nichts für Demophobiker. ;-)
Bis ca. 15 Uhr genoss ich also das Wetter, die Stimmung, das Plätschern des Wassers, die Boote die vorbei fuhren und noch ein Eis.
Spontan entschloss ich mich dazu zum Cartier Chinois im 13ten zu fahren. Kontrastreiche Architektur. Avenue D’Italie. Nett zu laufen. Am Ende dann links weg und dann die Nächste auch wieder links. Ich komme an einem der üblichen Mittags-Essens-Märkte vorbei. Private Familien die gekocht und vorbereitet haben, bieten hier ihre authentischen Speisen an. Ich schaue interessiert und werde dann doch dazu überredet hier direkt etwas zu probieren. Der Herr am Nachbarstand macht es in seinem improvisierten Öfchen warm. Fleisch und Teig mit Gemüse eingewickelt in einem Bananenblatt. Ich weiß leider nicht mehr wie es hieß, es schmeckte jedoch fantastisch. Ich weiß noch nicht einmal welches Fleisch das war. Interessant. Ungewöhnlich. Aber lecker. Definitiv eine Erfahrung wert. Traut euch :-)
Auf meinem Weg wieder zur Metro mache ich noch einen Zwischenstopp an einem der kleinen Lädchen mit dem ganzen China-Deko-Kram. Kleine Erinnerung (Winkekatze) und ein paar Räucherstäbchen mitnehmen. Und dann wieder rein in die nun nicht mehr ganz so proppevolle Metro in Richtung Bastille.
Ab hier will ich zu Fuß das Marais erkunden. Rue St. Antoine. Als ich zum Maison Européenne de la Photographie komme und die Fotografen sehe die dort ausstellen, kann ich natürlich auch nicht dran vorbei gehen. Jean-Pierre Laffont, John Edward Heaton, Caio Reisewitz und noch einige mehr. Hat sich sehr gelohnt.
Danach gehe ich weiter und entdecke dieses hippe Viertel. Galerie an Galerie. Junge Leute. Bars. Cafés. Bunt. Kreativ. Modern und doch klassisch nostalgisch. Es ist schwer zu beschreiben. Man muss es fühlen, was das Le Marais ausmacht. Mein Lieblingsviertel von Paris. Hier entstand auch das Foto aus der Galerie mit dem verliebten Pärchen Arm in Arm.
In der ganzen Hitze bekam ich dann doch Durst und so kam es gerade gelegen, dass nur wenige Meter weiter ein kleiner Intermarché auftauchte. Hier kam es auch zu einem kleineren Zwischenfall. Mega unfreundlicher und gelangweilter Kassierer, der mich um ein paar Euro meines Rückgeldes bescheissen wollte und just in dem Moment so tat, als wüsste er nicht, was ich meine. Der Herr mit der Ratte in seiner Kapuze, der kurz vor mir dran war, bekam das aber noch mit und kam mir in der Argumentation zu Hilfe. Innerlich fluchte ich aufgebracht vor mir her. Du Depp. Stell dich nicht doof. Ich zerr dich gleich über die Theke, wenn du mir nicht das Rückgeld gibst. Wir redeten gefühlte 5 Minuten auf ihn ein, bis er verstanden hatte, dass ich nicht früher gehe und doch gleich die Polizei rufen würde. Ich bekam also letztendlich mein fehlendes Geld und unterhielt mich vor dem Laden noch ein wenig mit dem Herrn über seine Ratte, die ich dann auch mal auf den Arm nehmen durfte. Mein erstes Mal mit Ratte. ;-)
Mittlerweile war es schon 20 Uhr… ein wenig weiter entlang schlendern und dann zurück zum Hotel und noch die letzte Nacht buchen und bezahlen. Die Option hatte mir der Besitzer ja gelassen. Sehr cool. Den ganzen Kram ablegen. Umziehen und dann zum Eiffelturm.
Puhh.. Samstag Abend ist die Metro also genauso voll wie am Mittag. Warum wundere ich mich eigentlich? War doch zu erwarten. Mittlerweile ist es ca. 21:30 Uhr. Aussteigen an der Station Trocadéro. Ausgang in Richtung Eiffelturm nehmen wollen. Zum Glück sehe ich genau in diesem Moment noch einen – aus einem der vorderen Wagen der Metro – torkelnden jungen Mann… direkt auf mich zu. Ich mache einen kleinen Schritt nach rechts und bleibe stehen. Da kotzt er direkt schräg links vor mir auf den Boden. Jawoll. Herzlich willkommen in Paris. Ich lache verlegen. Na was ein Glück, dass er mir nicht auf’s Kleid gereiert hat. Die Passanten die diese Aktion mitbekommen haben lächeln ebenfalls erleichtert in meine Richtung. Abhaken. Weiter geht’s. Immer der Masse nach. Hoch auf die Terasse mit dem legendären Blick auf den Eiffelturm. In wenigen Minuten geht es los. Ich habe noch eine Position mit freier Sicht gefunden. Kamera einstellen und schon geht es los. 22 Uhr. Ein Raunen geht durch die Menge, als der Eiffelturm zu funkeln beginnt. Hinzu kommt heute auch noch ein perfekt stehender Mond und eine Wolkenlücke, die alles herrlich dramatisch wirken lässt. Sehr schön. Ein Moment, der mir auch noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wunderschönes Zusammenspiel aller Komponenten. Ich bleibe noch ein Weilchen sitzen. Beobachte die Verkäufer mit ihren leuchtenden Flugspielzeugen. Schreibe noch ein paar Zeilen in mein Tagebuch und dann gehe ich nocheinmal hinunter zum Turm. Den restlichen Abend genießen. Fotos machen und dann wieder in Richtung Hotel. Ich merke, dass ich letzte Nacht nicht all zu viel Schlaf abbekommen hatte. Also zurück mit der vollen Metro zum Gare de l’Est und die letzten Meter müde zu Fuß.

Sonntag 27.09.2015
Die Nacht hatte ich deutlich länger geschlafen. Das Kirchengebimmel bekam ich kaum mit und auch der Straßenlärm hielt sich in Grenzen. Der Sonntag hielt aber noch eine anderweitige Überraschung parrat. Es war der erste Auto-freie Sonntag, den Paris hatte. Nun ja… was man so autofrei nennt… waren natürlich trotzdem einige unterwegs, doch absolut kein Vergleich, zu den Tagen davor. Ein ungewohntes Bild. Keine verstopften Straßen. Und am Eiffelturm selbst gar keine. Die Chance nutzte ich natürlich an diesem herrlich sonnigen Morgen und machte noch ein paar weitere Aufnahmen. Die Sonne stand im (für mich) perfekten Winkel zum Turm. Wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Yesss! Wie es der Zufall dann auch noch wollte, sollte wenig später am Eiffelturm der Start des 38. Paris-Versailles Marathon stattfinden. Den hab ich natürlich auch noch mitgenommen.
Danach ging es dann durch den Jardin du Champ de Mars in Richtung Militärschule. Auf dem Weg dorthin vorbei an einem Fest für Familien mit ihren Kids, Square-Dance tanzenden Leuten weiter hinten im Park zugesehen und einer wirklich freakig freudigen Japanerin dabei geholfen, noch ein paar Fotos von sich und dem Eiffelturm zu bekommen. Sie muss mich mit meiner Kamera schon von weitem gesehen haben und kam schnurstraks und breit grinsend auf mich zu. War echt klasse. Krasser Style. Sehr cool mit ihrem Zuckerwatte-farbenem Haar. Mein Highlight des Tages.
Danach ging es dann aber wieder zurück zum Hotel. Auschecken. Also mit meinem ganzen Kram in Richtung Gare de l’Est und auf den TGV warten.
Noch eine gute Stunde. Leute beobachten. Lebensgeschichten ausdenken. Wo kommen sie her. Wo wollen sie hin. Was erleben sie. Gesprächsfetzen aufschnappen.
Dann rollt der TGV auch schon ein. Zum Glück sitzt dieses Mal niemand auf meinem Platz. Natürlich wieder am Fenster. Wie reserviert. Wenig später nimmt ein Herr mittleren Alters neben mir Platz. Amerikaner wie sich schnell herausstellt. Kommunikativ. Wieder keine Ruhe. Darf doch nicht wahr sein. Nun gut… verging die Zeit auch recht flott und ich konnte mein holpriges Englisch mal wieder sprechen üben. Nicht nur 5-10 Minuten lang, wie die Tage zuvor. (Ich verstehe weit mehr, als ich selbst über die Lippen auf Englisch rausbekomme. Fehlende Übung eben…)
Es dauerte nicht lange und wir kamen auf das Thema Trump. Vom Reisen in Europa und wo wir überall schon waren über die DDR zu Trump. Irgendwo im Gespräch falsch abgebogen. Ich muss kurz lachen. Mein Gesprächspartner schaut mich verwirrt an und lacht dann mit. Ok. Gut gerettet. Jedenfalls wird unser Gespräch dann doch recht schnell etwas aufgeregter. Was wäre wenn. Trump Präsident und so. Will keiner von uns Beiden. Worst Case-Szenarios in unseren Köpfen. Und dann war es auch schon fast Ende der Fahrt für uns beide. Karlsruhe. Er weiter nach Frankfurt und ich Richtung Basel. War doch ganz nett. Kurzweilig.
In Karlsruhe dann ab in den ICE nach Basel. Ich sitze am Gang. Links neben mir sitzt ein junger Mann der sich New York Fotos an seinem Laptop anguckt. Scheint wohl gerade zurückgekommen zu sein. Aber er ist absolut nicht gesprächig. Auch recht. Rechts neben mir nach dem Gang 2 ältere Damen. Die eine am Gang knabbert Nüsse aus einer Tüte. Eine Verpackung in der sie nur eine sehr kleine Öffnung gemacht hatte. Raschel raschel. Schüttel. Mampf. Raschel. Schüttel. Knister. Mampf. Und so weiter… Kurz bevor ich ihr sagen will, wie unglaublich nervig ihre Art und Weise des Nüsse-Essens bzw. Rausfummeln der selbigen ist, packt sie die Tüte weg. Na da haste ja nochmal Glück gehabt. Beinahe wäre ich zynisch geworden. Halbwegs komplikationslos ging dann auch die restliche Reise bis Heim von statten. Ich hatte nun ein paar Tage meine Tochter nicht gesehen und so war aufgrund meiner Prosopagnosie der Unterschied riesig. Ich staunte. War überwältigt und überglücklich schloss ich sie in meine Arme.

Das war es also… mein kleines Abenteuer. Genau zur richtigen Zeit, denn nur wenig später, sollte sich mein Leben komplett verändern. Ich bin froh, dass ich das damals so durchgezogen hab. Von den Erinnerungen zehre ich noch heute und sie waren es auch, die mich die folgenden Monate gut durchhalten ließen. Wenn man auf sein Herz hört und das durchzieht, dann eröffnen sich neue Wege, die letztenendes doch glücklicher und zufrieden machen, als man vielleicht zum aktuellen Zeitpunkt noch gar nicht absehen kann. Für mich nehme ich jedenfalls als Lebenserfahrung mit, dass egal was kommt, ich auf mich selbst immer vertrauen kann. Ich finde einen Weg, etwas Gutes für mich und meine Tochter daraus zu machen. Wer braucht schon all diesen materiellen Kram, wenn er auch so zufrieden sein kann. Nun so bei Null wieder angefangen zu haben, hatte etwas sehr befreiendes für das ich durchaus dankbar bin.
„We think that if we have health and wealth they’re enough to be happy, but actually happiness depends on the state of our minds.“ (Dalai Lama) Recht hat er.

An dieser Stelle nun auch ein Dankeschön an all diejenigen, die meine Reise bis hierher mitverfolgt haben. Danke für die netten Worte und den Zuspruch. Das bedeutet mir viel!

(Header-Foto: Kronleuchter in der Notre Dame)

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Ein passendes Lied zu meinem Weg: Wolfsheim – Kein Zurück

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

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5. NCT Lauf – 08.07.2016 in Heidelberg

„LAUFend gegen den Krebs! Wie weit würden Sie gehen?“ So lautete das Motto des 5. NCT-Laufs.
Ich habe leider erst am Vorabend von der Veranstaltung via Twitter erfahren, zu kurzfristig um selbst mitzulaufen. Um dennoch etwas mit beizutragen schnappte ich mir meine Kamera.
Als ich gegen 17:45 Uhr im Neuenheimer Feld ankam, war allerhand los. Über 3000 Starter insgesamt, die entweder am Halbmarathon oder dem NCT-Rundenlauf teilnahmen. Hinzu kamen viele Angehörige und Schaulustige.
Aufgrund des großen Andrangs musste der Beginn des Halbmarathons ein wenig nach hinten verschoben werden, damit alle ihren Platz im Startbereich finden konnten. Gegen 18:30 Uhr ertönte dann aber das Startsignal. Nur 14 Minuten später durften dann auch die Rundenläufer unter viel Beifall auf die Strecke. Profisportler, Hobbyläufer, Firmen und private Teams, Väter und Mütter mit ihren Kindern, Pfleger/innen mit ihren Patienten, jung und alt. Alles war dabei.
Die Startnummer 1 wurde übrigens auf e-bay höchstbietend versteigert. Der Erlös kam direkt dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen zu Gute. Geboten wurden unglaubliche 334,33€ von einem anonym bleibenden Spender, mit der Bitte, diese Startnummer einem Patienten zu übergeben.
Christof von Kalle, Leiter des NCT und selbst mit Startnummer 3000, überreichte mit den Worten: „Der Patient im Mittelpunkt. Der Patient ist die Nummer 1.“ diese Nummer an den Patienten „Ollie“, der sich sehr über diese Ehre freute.
Bereits wenige Tage vor dem Start wurde eine Summe in Höhe von über 67.000€, allein durch Startgelder, Sponsoren und Spenden erreicht. Dies dürfte aber noch lange nicht alles gewesen sein, denn auch die Erlöse aus der Verpflegung für die Besucher vor Ort werden da noch hinzukommen. Ein kleiner Gruß geht hier an das #teamschnipsflausch die mit sagenhaften 1200€ auf Platz 3 der Teamspenden teilgenommen haben.
Moderiert wurde diese Veranstaltung von Tom Haberer und für die musikalische Abwechslung sorgten ‚The Wright Thing‘.

Update: Wie das NCT mittlerweile bekannt gegeben hat, wurde das Spendenziel von 75.000 € weit übertroffen. Es kamen unglaubliche 105.000 € zusammen.

Hier finden Sie nun einige meiner Aufnahmen vom gestrigen Tag.

 

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Iya Traoré

Zur Einstimmung auf meinen demnächst folgenden Paris-Beitrag hier ein Video und ein paar Fotos, die ich am 25.09.2015, von Iya Traoré in Paris, aufgenommen habe.
Iya ist der weltbekannte Fußball-Künstler, der seine Tricks direkt unterhalb der Sacré-Cœur vorführt.

Sacre coeur Fußballer
Mann an Laterne

*note: freihand gefilmt – daher etwas verwackelt
Iya Traoré – Webseite

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