personal: Einer dieser Tage… (ABA)

Heute ist einer dieser Tage, an denen mal wieder besonders deutlich wird, wie manche Menschen auf erwachsene Autisten herabblicken.
Worauf ich mich konkret beziehe ist eine Diskussion auf Facebook über einen Radiobeitrag zum Thema ABA.
Das Thema ABA sorgt in aller Regelmäßigkeit für lange Diskussionen. Auffällig jedoch ist bei allen diesen, dass von Seiten der ABA-Befürworter immer und immer wieder deutlich gemacht wird, wie sie erwachsene Autisten sehen. Definitiv nicht auf Augenhöhe. Es werden gerne sachliche Kritik, sowie Gegenargumente verdreht und als persönliche Angriffe oder Aggressivität dargestellt. Auffallend oft tituliert man sich selbst zum Opfer, wenn man merkt, dass man gegen diese Informationsflut und auch dieses gefestigte Hintergrundwissen, das viele Autisten mittlerweile zum Thema ABA haben, nicht mehr ankommt.
Es werden Unterstellungen gemacht, verleumdet, gedroht und andere verbale Entgleisungen für alle frei lesbar von sich gegeben. Natürlich nicht ohne das nur all zu gern genutzte: „Sie haben keine Ahnung.“ „Das ist anderes ABA.“ etc etc… die Liste der Rhetorik ist lang und nicht immer einfach zu durchschauen.

Etwas was mich heute ganz besonders verärgert hat, war folgende Aussage von Frau Klemm:

„Jetzt gehe ich mal davon aus, dass Sie alle auf. HartzIV sind und dann kann ich das auch noch selber bezahlen.“

(falsches Satzzeichen stammt nicht von mir, sondern gehört zum Zitat)
Nachzulesen ist die Diskussion >hier< (Link zu Facebook).

Allein diese Aussage ist ein sprichwörtlicher Schlag ins Gesicht erwachsener Autisten. Es ist diskriminierend und abwertend. Sehr viele Autisten wünschen sich Arbeit und einen Platz auf dem 1. Arbeitsmarkt. Sie bekommen nur leider keine Chance dazu, weil in der Gesellschaft oftmals noch immer das Bild vom anstrengenden Behinderten herrscht. Inklusion Fehlanzeige.
Das aber tatsächlich Arbeitgeber von der Leistungs- und Einsatzbereitschaft von Autisten profitieren können, wenn sie gewisse Rahmenbedingungen schaffen (z.B. kein Platz im Großraumbüro, schriftliche statt telefonische kurzfristige Kommunikation), dass wird gern übersehen. Was zuerst bedacht wird: Es macht Arbeit, diese Rahmenbedingungen zu schaffen.
Genau das ist der falsche Ansatz und warum so viele von uns leider auf HartzIV angewiesen sind. Erwachsenen Autisten wird oft noch nicht einmal die Chance gegeben, sich zu beweisen und so jedwede Möglichkeit genommen, um mögliche Vorurteile auszuräumen. Zumindest nicht, wenn sie offen mit ihrem Autismus umgehen.

Der oben zitierte Kommentar ist nur ein stellvertretendes Beispiel dafür, dass wir oftmals nicht ernstgenommen werden. Uns noch nicht einmal ein gewisser Respekt als Menschen entgegen gebracht wird. Das ist erschreckend und unglaublich verletzend. Das ist nicht nur in diesem Beispiel der Fall, sondern auch hinter so manch anderen Kulissen. Beispiel Aktion Mensch.

Für mich ist dies alles auch ein Grund mehr, mich weiter im Aktivismus zu engagieren. Das man sich damit keine Freunde macht, das merkt man immer wieder. Aber für mich persönlich ist es wichtig, dass ich für die nachfolgende Generation etwas bewirken und verändern kann. Veränderung in den Köpfen geht leider nicht (immer) von heute auf morgen.

Das es auch Menschen gibt, die erwachsenen Autisten mit Anstand und Respekt begegnen… sie ernst nehmen – diese Erfahrung habe ich selbst erst vor kurzem privat machen dürfen.

Es ist also noch nicht alles hoffnungslos verloren.

Der Einsatz lohnt sich – wenn auch nicht unbedingt für mich selbst als erwachsene Autistin, dann wenigstens für die vielen autistischen Kinder, die sich vielleicht (noch) nicht in der Lage sehen, sich gegen diese Methoden zu wehren.

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Heidelberg – Philosophenweg

Am 20.12.2016 nutzte ich das perfekte Dezember-Wetter mit der tiefstehenden Sonne, schnappte mir meine Kamera und machte mich auf zu einer kleinen Wanderung, die ich jedem Touristen nur empfehlen kann!
Ich laufe hier die deutlich weniger anstrengende – aber auch schönere Richtung und empfehle festes Schuhwerk.

Beginnend am Bismarckplatz in Richtung Neuenheimer Feld über die Theodor-Heuss-Brücke. 2 Querstraßen passieren und danach rechts in die kleine unscheinbare Ladenburger Straße. Nach nur wenigen Metern erreicht man den Anfang des Philosophenwegs der sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat – wer mal reinlesen mag für weitere Details, kann das >hier< tun.
Ab hier geht es ordentlich bergauf. Man kommt am Physikalischen Institut der Universität Heidelberg und allerlei wunderbaren Häusern (die teuerste Wohngegend Heidelbergs) vorbei. Hat man diese hinter sich gelassen, eröffnet sich nun auch langsam dieser wunderschöne Blick auf das Heidelberger Schloss, den Königstuhl mit der Bergbahn und natürlich die Heidelberger Altstadt und auf die Alte Brücke.
Ein kleines Päuschen im Philosophengärtchen kann ich auch empfehlen. Kurz verschnaufen und die Aussicht genießen.
Danach geht es weiter… an der Weggeabelung nach links leicht bergauf abbiegen. Hier geht es dann nach wenigen Metern noch einmal links weg und die Stufen führen zur Bismarck-Säule. Der Turm ist kostenfrei begehbar und bietet noch einmal einen tollen Ausblick auf Heidelberg.
Hier oben kann man wenn man mag, Zeit und genug Ausdauer hat, auch hinauf bis zur Thingstätte und dem Heidenloch laufen. Definitiv auch sehenswerte Ausflugsziele – beides ist aber deutlich weniger anstrengend mit dem Auto und mittlerweile sogar mit dem Bus erreichbar.
Ich laufe noch ein wenig durch die kleine Parkanlage, beobachte ein älteres Pärchen, dass die Aussicht genießt und biete ein kleines Erinnerungsfoto an, dass auch freudig angenommen wird.
Meine gute Tat für diesen Tag. Auch ich genieße hier auf der Bank noch einmal die Ruhe und lasse meine Gedanken fließen.
Dann geht es wieder hinunter zum eigentlichen Philosophenweg.
Zu meiner rechten der immer schöner werdende Blick auf das Schloss, weil man diesem immer näher kommt und die Sonne tut ihr übriges dazu. Fantastisch tiefstehend, wie sich die Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Bäume an den gegenüberliegenden Hängen bahnen. Durch die Kühle auch noch ein wenig Nebel, der dort am Hang festhängt… romantischer könnte dieser Anblick kaum sein.
Gemütlich weiter laufen.
Nach wenigen Schritten erreiche ich dann auch den Schlangenweg, der seinen Namen nicht umsonst trägt und auch ganz besonders der Grund ist, warum ich zwingend festes Schuhwerk empfehle. Ich machte im vergangenen Sommer den Fehler, und lief hier mit Flip-Flops hinunter. Empfehle ich definitiv nicht zur Nachahmung, wenn man nicht doch eine Fußverletzung riskieren will. (Ich kam glücklicherweise auch ohne Umknicken hinunter.)
Der Blick vom Schlangenweg auf das Schloss genau gegenüber ist ebenfalls grandios. Man sollte jedoch auch immer auf seine Schritte achten. Der Weg ist uneben mit großen Steinen. Zumal einem auch oftmals recht schwer atmende Touristen entgegen kommen, die diesen steilen Aufstieg gewählt haben. Ich mag es lieber so abwärts und der Blick auf’s Schloss ist in meiner Marschrichtung auch viel besser.
Nach einigen Windungen und Stufen erreicht man wieder das Neckarufer und kommt genau an der Alten Brücke heraus.
Ab hier kann man bestens die Altstadt erkunden oder wer noch Power hat, hinauf zum Schloss laufen. Stufen – rechts oder steile Schräge – linker Aufgang (nicht abschrecken lassen, dass da etwas von Kasse steht, man kommt dennoch kostenfrei bis zum Schlossgarten hoch). Der Blick von dort oben ist auch definitiv die Mühe wert.

Wer aber nicht laufen möchte oder nicht kann – der kann natürlich auch gern die Bergbahn benutzen. Wer richtig Zeit und Lust auf eine Wanderung hat, dem empfehle ich die Fahrt bis ganz nach oben zum Königstuhl. Hier gibt es die Landessternwarte, das Märchenparadies, das Max-Planck-Institut für Astronomie und das ‚Haus der Astronomie‘ zu entdecken. Und natürlich Wandermöglichkeiten ganz nach Belieben. Im Sommer ein netter Ausflusgsort um der Hitze zu entkommen.

Von der Heidelberger Altstadt aus kommt man ganz einfach wieder zum Bismarckplatz (einfach der Haupteinkaufsmeile folgen) und damit schließt sich dieser Rundgang.
Ich hoffe ihr habt ein wenig Freude an den Bildern und sie machen Lust, dass ihr diesen Weg auch einmal selbst entdecken wollt.

Konzert-Tipp: Empathy Test & VnV Nation – 27.12.2016 in Heidelberg

Am 27.12.2016 ist es so weit.
VnV Nation geben sich die Ehre in der Halle02 in Heidelberg.

Als Special Guest werden Empathy Test die Menge anheizen.
Die sympathische Londoner Band begeisterte bereits im Oktober in Mannheim das Publikum als Vorgruppe für Mesh. Seither erlangen sie wohlverdient immer mehr Bekanntheit und ihre Hits ‚Seeing Stars‘ oder ‚Demons‘ erfreuen sich ebenfalls immer größerer Beliebtheit. Live absolut sehens- und hörenswert!

VnV Nation sind seit langem bekannt dafür, als Headliner auf diversen Festivals aufzutreten oder große Hallen zu füllen. Mit dieser speziellen Clubtour geben sie den Fans nun ein ganz anderes Konzerterlebnis. Persönlicher – näher dran.
Gespielt werden die Songs der erfolgreichen Alben ‚Empires‘ (der Klassiker schlechthin) und ‚Automatic‘. Somit ist der Tourname „Automatic Empire“ selbsterklärend.

Fans von feinen Electro-Pop werden an diesem Abend ganz gewiss auf ihre Kosten kommen!

Wann? 27.12.2016
Einlass? 19 Uhr
Beginn? 20 Uhr
Wo? Halle02 (Zollhofgarten 2, 69115 Heidelberg)

Fotos © laviolaine
Empathy Test in Mannheim 01.10.2016 // VnV Nation in Flums (CH) 03.10.2009

Paris 2.0 – Tag 1

25.09.2016

(zur Erinnerung… kursiv Geschriebenes, sind Gedanken in diesen Momenten)

Nach einer ziemlich kurzen Nacht schnappte ich mir dann also in aller Frühe meinen deutlich zu schwer geratenen Trekkingrucksack (15kg!) und ging zur Straßenbahnhaltestelle. Sonntags zu dieser Uhrzeit war dementsprechend nichts los und ich konnte die Ruhe genießen. Vorbereitet wie ich war (da die Straßenbahn Sonntags nur stündlich fährt) kam ich natürlich zu früh dort an. Aber lieber so, als anders herum. Die 15 Minuten die ich noch warten musste, vergingen dank mp3-Player (ja ich hab noch so einen Altmodischen mit Batterie – die bekommt man immerhin überall auf der Welt zu kaufen. Das ‚leerer-Akku-Problem‘ habe ich also nicht) recht flott. Und weil die Straßenbahnlinie nicht direkt am Heidelberger Hbf vorbei kommt, lief ich dann also die paar Hundert Meter und ärgerte mich schon hier, dass der Rucksack so schwer geworden war. Nun gut – so war ich wenigstens für alle Eventualitäten vorbereitet. ;-)

Pünktlich 07:48 Uhr ging es mit der Regionalbahn und einem schönen Sonnenaufgang, an diversen Nebelfeldern vorbei, in Richtung Karlsruhe. Kurz 3-4 Sätze mit den Anderen im Abteil über das gröhlende ‚Oktoberfest-Volk‘ amüsiert, dass glücklicherweise in Heidelberg ausstieg und dann machte jeder sein Ding bis Karlsruhe. Hier hatte ich dann noch eine knappe Stunde Aufenthalt, bis mein TGV aus Stuttgart eintreffen sollte.
Ich nahm dann also im kühlen Bahnhof auf einer der Bänke platz. Nach einer weiteren Regionalbahn, die am Gleis hielt füllte sich doch zunehmend der Wartebereich für den TGV. Ausgestiegen war auch ein junger Typ, der dann begann wahllos und unverständlich um sich zu brüllen. „Hallo… Haaaallooooooo… eine Schei**e ist das hier… Haallooooooo“… der junge Kerl auf der anderen Bank neben mir schaute mich auch nur ratlos an und dann lauschten wir beide doch wieder unserer Musik. Nach vielleicht 10 Minuten begann der Typ dann wieder herumzubrüllen… Ich wand mich ihm dann doch zu und fragte, ob man ihm irgendwie helfen könne. Er meinte dann, dass er blind sei und ihn niemand von der Bahn hier abholen würde. So auf diese Art und Weise hier wahllos rumzubrüllen und zu fluchen, bringt dir aber auch nicht die gewünschte Hilfe… Jedenfalls fragte ich dann, wo er hin wolle… Stuttgart… gut. Als ich aufstehen und zum Abfahrplan laufen wollte, gab sich die Frau mir gegenüber aber als Bahnmitarbeiterin zu erkennen (war in Zivil) und nahm sich des Herrn an. War das also gelöst. Abhaken. Toll… fängt ja schonmal aufregend an hier.
Danach sollte ich dann mit dem jungen Kerl von der anderen Bank ins Gespräch kommen. – Noch ca. 20 Minuten bis mein TGV einrollt… Er sah mich etwas länger an und nahm dann seine Kopfhörer von den Ohren…
Er: „Do you speak english?“ Na super… Smalltalk direkt auf english. Also gleich das volle Programm. „I’ll try… but it’s not good.“ Daraufhin begann er zu lachen und meinte nur (auf english), dass das irgendwie alle Deutschen sagen würden… na immerhin hatten wir was zu lachen ;-)
Ich erfuhr, dass er aus Albanien kommt und hier für 1 Jahr arbeitet. Was sich dann auch sehr schnell zeigte war, dass ich mit der Einschätzung seines Alters doch sehr weit daneben lag. Weil ich es nicht glauben konnte, präsentierte er mir dann doch seinen albanischen Ausweis haha… doch erst 20… und ich tippte auf Ende 20 – ups. Das er mich hingegen auf 25 geschätzt hatte… nettes Kompliment, aber als Frau weißt du ja sowieso nie so recht, ob sie nicht absichtlich tief ansetzen ;-)
Im Laufe des Gesprächs fragte er mich, ob ich nach Paris zur Fashion-Week wolle (der TGV nach Paris erschien mittlerweile auf der Anzeige). Mein Outfit würde doch irgendwie danach aussehen. Haha… ich weiß jetzt nicht, ob das ein Kompliment war oder doch was anderes… immerhin war ich doch recht eigenwillig in der Zusammenstellung meines heutigen Outfits ;-)
Wir unterhielten uns dann noch über alles Mögliche und ich konnte ihn einige Dinge über Albaniens Kultur und Land & Leute fragen – ich gab ihm im Gegenzug noch ein paar Tipps, was er sich hier in der Gegend unbedingt ansehen solle… Alles in allem ganz unterhaltsam und die Zeit verstrich ziemlich schnell. War also nicht so tragisch, dass keiner meiner Twitter-Follower Zeit für ein kurzes Treffen hatte.

Dann kam auch schon seine Bahn und nur kurze Zeit später fuhr mit 5 Minuten Verspätung 09:37 Uhr auch mein TGV ein. Ich hatte zunächst ein wenig Sorge, ob ich nicht im komplett falschen Gleisbereich stehe, denn laut Wagenstandsanzeiger gab es gar keinen Wagen 8, so wie es aber auf meiner Reservierung stand… nur Wagen 16… auf gut Glück stellte ich mich dann einfach da hin. Und lag mit meiner Einschätzung doch fast richtig. Zu meiner Verwunderung war ich doch recht entspannt in der Hinsicht, schon meinen Platz im Zug zu finden, obwohl der Wagon nicht ausgewiesen war. Ein klarer Fortschritt zu letztem Jahr… da war ich doch deutlich nervöser, als da die Sache mit dem Zug ebenfalls unübersichtlich verlief.
Dieses mal fand ich dann auch meinen Platz ziemlich schnell. Leider bekam ich durch die kurzfristige Buchung nur noch in der unteren Etage einen Platz. Vierer-Sitz mit Tisch in der Mitte, ganz am Ende des Wagens. Mit auf meinem Sitz lag quer ein kleiner Junge, der gerade schlief. Einmal wecken bitte. Die Familie die mit mir dort ihre 3 Plätze hatte, war ganz nett. Nur wenige Worte auf english (haha – was sonst) zur Begrüßung und dann sprachen sie untereinander wieder eine dieser arabischen Sprachen. Kenne mich da leider nicht aus und nachgefragt hatte ich auch nicht. Ich war ganz froh, während der Zugfahrt dieses mal keinen Smalltalk halten zu müssen.

Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir also in Richtung Frankreich. Mit noch immer leichter Verspätung kamen wir 10:20 Uhr in Strasbourg an. Hier bemerkte ich schon deutliche Veränderungen zum Vorjahr. Wesentlich mehr bewaffnetes Militär an jedem Gleis, staatliche Polizei, Bahnhofsschutzpolizei und auch zusätzlich noch Sicherheitspersonal. Ist doch noch immer Ausnahmezustand aufgrund der ganzen vergangenen Anschläge. Hier sah ich es zum ersten mal mit eigenen Augen und es rief mir die Bilder vom November des letzten Jahres ziemlich schnell vor Augen. Aber nicht weiter dran denken… wird schon alles gut gehen.
Insgesamt merkte ich aber, dass ich seit ich im TGV saß, deutlich entspannter war. Der Zug fährt schließlich bis Paris. Ich werde also definitiv ankommen. Auch heute hielten wir kurz vor Strasbourg außerplanmäßig, aber das machte mir dieses mal gar nichts aus und ich blieb vollkommen unbeeindruckt. Kein Vergleich zum letzten Jahr. Schöne Entwicklung.
Wenig später rollte der TGV 9576 (übrigens exakt der Gleiche wie 1 Jahr zuvor) weiter und nahm bereits kurz hinter Strasbourg ordentlich Fahrt auf (hier bereits 296 km/h). Gab es doch eine erfreuliche Neuerung. Die Fahrzeit mit dem TGV verkürzte sich um eine halbe Stunde zum Vorjahr. Also dauerhaft ordentlich Gas geben bis Paris auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke.
Dieses Jahr kam noch dazu, dass mein Sitzplatz Rückwärts zur Fahrtrichtung war. Das war in der ersten Minuten der ganzen Beschleunigung ein doch recht ungewohntes Gefühl, legte sich dann aber rasch. Was mich aber auch in diesem Jahr immer wieder erschreckt hatte, waren die Momente in denen wir mit 320 km/h an einem uns entgegenkommenden TGV (der vermutlich genauso schnell unterwegs war) vorbei donnerten. Donnern ist hier wirklich ein passendes Wort, denn der erste ‚Knall‘ ist doch recht laut und der seitliche (kurze) Druck an der Scheibe ebenfalls etwas unangenehm. Aber das alles dauert vielleicht nur 2-3 Sekunden. Kommt nur eben ohne Vorwarnung.
Auch wenn ich heute landschaftlich von der unteren Etage aus leider nicht so viel schauen konnte, bemerkte ich aber doch, dass je näher wir Paris kamen, der Himmel sich zunehmend verdunkelte. Super. Stand so mal überhaupt nicht im Wetterbericht. Kann ich nicht gebrauchen, auch wenn ich drauf vorbereitet bin. Doch leider begann es, als wir die ersten Vororte erreichten doch heftig zu regnen und hielt bis Paris an.
Als wir pünktlich 12:05 Uhr am Gare de l’Est ankamen stülpte ich meinem Rucksack gleich die eingebaute Regenschutzhülle über. Was dann aber (zum Glück) völlig unnötig war, da es nur noch vereinzelte Tröpfchen nieselte, als ich den Vorplatz des Bahnhof betrat.
Was mich hier stattdessen erwartete war ein ziemliches Hupkonzert und jede Menge Polizei. Sowie Absperrungen und Autos die aus dem Zentrum kamen, aber nicht hinein durften.
Ich twitterte gleich, was hier los war und bekam doch zum Glück auch schnell einige Antworten. Natürlich. Autofreier Sonntag. Zum zweiten Mal. – War letztes Jahr doch genau das Gleiche – wie ich das nur vergessen konnte. Also nichts passiert. Kein Anschlag oder ähnliches. Erleichterung!

Mit Sack und Pack machte ich mich auf in Richtung ‚Le Marais‘. Einfach nur dem BD de Strasbourg folgen und irgendwann links in eine der Straßen abbiegen. Bei Tage sieht das Viertel ganz anders aus als Abends. Schon sehr faszinierend. Durch den Autofreien Sonntag sogar noch deutlich verlassener. Der feuchte Boden tat sein Übriges dazu. Eine ganz besondere Stimmung. Ein paar Fotos hier… ein paar Fotos da. Im Viertel gab es einiges an neuer Streetart zu entdecken. Der Blick weiter nach oben an den Wänden lohnt sich also. Ich laufe durch diverse Gassen weiter bis zum Place des Vosges. Ein schöner Park. Perfekt um mal ein wenig durchzuschnaufen. Danach geht’s weiter über die Rue St. Antoine und mache noch eine kleine Foto-Visite in der St.Paul-St.Louis Kirche. Kann ich jedem nur empfehlen. Tolle Architektur!
Weiter vorbei an verschiedenen Modeboutiquen und hier hatte ich dann auch meinen ersten intensiveren Blickkontakt (viele von euch wissen ja, dass ich damit keine Probleme mehr habe), mit einem Herrn der dort in einem Eingang stand. Wer als Frau schonmal allein in Paris unterwegs war, der weiß sicher was ich meine. Heißt nicht umsonst ‚Stadt der Liebe‘. Jedenfalls nahm ich das dann auch direkt als Anlass, genau das zu genießen und mitzuspielen. Nach der Trennung tut’s schließlich auch einfach mal gut, Männer noch immer mit nur einem Blick dazu bringen zu können, dass sie auch nicht mehr wegsehen wollen! ;-)
Nun aber weiter zum Maison Européenne de la Photographie, aber da ich ja noch den ganzen Kram mit mir herumschleppe, gehe ich noch nicht rein. Nehme allerdings begeistert zur Kenntnis, welche Fotografen zu sehen sind. Steht also auf der Liste. Vor mir noch 2 Herren mit ihren Hunden… click – Foto. Lustige Szene.
Hier in diesem Moment entscheide ich mich dann auch dazu, es beim Hotel vom letzten Jahr einfach nochmal zu probieren. Die Leute waren schließlich sehr nett. Also ab in die Metro. Am Hotel angekommen gleich ein bekanntes Gesicht und ich werde sogar wiedererkannt. Perfekt. Zimmer ist auch noch frei. Für mich wird sogar noch ein wenig die geplante Belegung umsortiert und ich bekomme ein Zimmer, neben dem vom letzten Jahr. Supi. Preislich bekomme ich auch wieder einen kleinen Nachlass. Ein freundliches Lächeln und kurzer Smalltalk zeigen Wirkung.
Also hoch auf’s Zimmer. Endlich den schweren Rucksack ablegen und feststellen, dass sie renoviert haben. Schick geworden und mein Bad ist größer, als im letzten Jahr ;-)
Ich gönne mir eine halbe Stunde Ruhe, packe meine Umhängetasche neu und dann geht’s mit der Metro zur Pont Neuf, um ein wenig an der Seine entlang zu schlendern. Es gibt einiges an Kunst mit Umweltbezug zu sehen. Ein besonderer Publikumsmagnet ist eine ziemlich große Luftaufnahme von Paris, die auf der Straße angebracht ist. Ich nehme es im ersten Moment gar nicht richtig wahr und wundere mich, warum die Leute so nach unten schauen – bis ich selbst meinen Blick senke. Schöne Idee, diese Art der interaktiven Kunst.
Hier nehme ich mir auch noch einmal die Zeit und setze mich ans Ufer, genieße die Sonne und beobachte ein wenig die Menschen… Ziemlich flott war dann auch schon wieder eine halbe Stunde um. Weiter ging es dann oben an der Straße. Vorbei an den diversen Malern entlang des Louvre.
Am Tuileries steige ich wieder in die Metro. Ich will noch zum autofreien Champs-Élysées.
In der Metrostation habe ich auch meine Begegnung mit dem Herrn, der erst neben mir auf die Bahn wartete und dem ich dann im Wagen gegenüber saß. Wirklich unglaublich feine und elegante Kleidung. Grandioser Stil und eine Ausstrahlung, die etwas sehr faszinierendes hatte. Aus seinem Stoffbeutel ragt ein Schneiderlineal hervor, dass mich dann endgültig überzeugt hat, dass er Modedesigner sein muss. Hm, bei dem verdammt teuer aussehenden Schmuck, den er da am Handgelenk trägt, ist es wohl der ‚Meister‘ selbst. Aber da ich nunmal kein Paparazzo bin und auch keinen Wert auf diese Mentalität lege, habe ich ihn natürlich nicht gefragt, wer er ist oder gar offensichtlich irgendwelche Fotos gemacht. Lediglich eines, als ich die Kamera auf dem Schoß hatte. Wirklich wohl fühle ich mich aber auch dabei nicht… diese Art der heimlichen Fotografie ist einfach nicht mein Stil. Natürlich auch nur, um hinterher dann festzustellen, dass ich das Gesicht nicht komplett mit drauf habe. Ich hatte gehofft, hinterher mit Hilfe von google selbst herauszufinden wer das denn nun war.
– Mein Angebot steht daher noch – wer mir als Erstes sagen kann, welcher asiatisch aussehende Modedesigner das ist, darf sich eines der Fotos (die auch noch kommen werden) als Print aussuchen. Es lässt mir doch einfach keine Ruhe. ;-)
Am Arc de Triomphe angekommen ein nettes Bild entlang der Allee. Zwar Menschen ohne Ende, aber definitiv ein faszinierender Anblick so ganz ohne Autos. Aber auch hier bemerke ich ziemlich schnell einen heftigen Unterschied zum letzten Jahr. Deutlich mehr Militär und bewaffnete Polizei. Auch vor den einzelnen Geschäften selbst noch einmal Sicherheitspersonal und teilweise auch Metalldetektoren. Das gab es im vergangenen Jahr alles noch nicht. Jeder der auf die Champs-Élysées will, wird kontrolliert an einer der diversen Absperrungen. Aber alles läuft mit französischer Ruhe ab. Es ist einfach so und wird akzeptiert. Man möchte schließlich weiter das Leben genießen. Als Einschränkung empfinde ich das jedenfalls nicht. Im Gegenteil, es beruhigt.
Jedenfalls beschließe ich, mich nicht zu sehr an den vielen Menschen zu stören – ich habe ja auch damit gerechnet – also keine Überraschung. Ich folge also der Straße nun wieder in Richtung Place de la Concorde. Es herrscht schon fast eine Art Feststimmung auf der Straße. Es gibt viele Künstler, Tänzer und Musiker, um die sich immer wieder Menschentrauben bilden. Auch ich bleibe immer wieder stehen und schaue bzw. höre zu. Die Stimmung ist wirklich sehr locker. Kennt man von Deutschland nicht unbedingt. Einige picknicken auch mitten auf der Champs-Élysées. Witziger Anblick und ein Zeichen dafür, dass die Pariser das Leben weiterhin genießen.
Am Place de la Concorde dann angekommen entstand auch das Titelbild des heutigen Beitrages.
Eine wahnsinnig lange Zeltkonstruktion genau vor dem Garten, mit der Aufschrift ‚Paris sur Mode‘. Die Fashion-Week sollte schließlich bald losgehen.
Langsam begann auch die Dämmerung und ich fuhr noch einmal zum Hotel um mein Stativ zu für die Langzeitbelichtungen heute Nacht zu holen. Beim Umsteigen in der Metro kam ich auch an einem Streichorchester vorbei, das schon von weitem zu hören war. Auch hier lauschte ich noch eine ganze Weile. Aber nun wieder weiter. Die Nacht wird lang. An der Rezeption hat die Schicht gewechselt. Auch hier wieder ein bekanntes Gesicht. (Hi Muri – I know you’re reading this! ;-) ) Ein kurzer Plausch und dann raus in die Nacht.
Mit der Metro bis Alma Marceau. Hier noch direkt am Metro-Ausgang selbst die erste Langzeitbelichtung. Natürlich nicht ohne für einiges Staunen zu sorgen, wie kunstvoll ich doch mein Stativ auf der Treppe mit Blick nach oben aufstelle. Aber die Pariser sind freundlich und geduldig in diesem Moment und rennen mir nicht durch’s Bild. Merci beaucoup. Foto fertig – der Schwung kann durch. Nun noch 2-3 weitere Aufnahmen und dann weiter. Von hier habe ich dann auch meinen ersten Blick auf den beleuchteten Eiffelturm dieser Reise. Immer wieder wunderschön. An diesem Bild kann man sich einfach nicht satt sehen. Ich mache ein paar Aufnahmen und probiere noch ein paar experimentelle Dinge aus, die dann auch wirklich ein grandioses Ergebnis liefern.
[Leider gestaltet sich das mit der Erlaubnis von der SETE etwas schwieriger, als erwartet und so muss ich die Aufnahmen später nachreichen, wenn ich endlich deren Erlaubnis habe, den beleuchteten Eiffelturm hier zeigen zu dürfen. Auf eine Abmahnung wegen deren Copyright am beleuchteten Eiffelturm habe ich nämlich keine Lust. Kunst ist eben nicht so einfach ;-) ]
Kurz vor der Passerelle Debilly sehe ich, dass auf der Brücke gerade geshootet wird. Ein Model in einem riesigen roten Plüschherz. Als ich dann dort ankomme, sind sie gerade fertig und ziehen weiter. Auf der Brücke treffe ich auf eine junge Engländerin, die ebenfalls allein unterwegs ist. Ich helfe ihr bei einem Foto vom Eiffelturm und wir kommen noch ein wenig mehr ins Gespräch. Sie ist zum ersten mal in Paris und ich erkläre ihr, dass sie hier noch ein wenig mit mir warten soll, weil es sich lohnen wird. Pünktlich 22 Uhr begann dann auch wieder das Funkeln. Wusste sie gar nicht und dementsprechend war sie begeistert. In der Zwischenzeit mache ich weiter meine Aufnahmen. Als ich fertig bin werde ich von einem Mann angesprochen, ob ich nicht auch noch schnell ein Foto von ihm und seinem Sohn machen könne. Natürlich. Kein Problem. Danach ziehe ich weiter über die Quai Branly.
Ziemlich mutig positioniere ich mein Stativ auf der Straße, immer in der Hoffnung eine größere Auto-Pause abzupassen. Die Lücken in den Baumwipfeln lassen einen anderen Standort nicht zu. Mein Blick ist die ganze Zeit nach Hinten gerichtet, um nicht doch überfahren zu werden. Bei jedem Schwung Autos also schnell das Stativ und mich mit 2 Schritten wieder an die Seite gestellt. Die Aktion dauerte dadurch natürlich ein wenig länger. Erst einmal die perfekte Position finden. Dann Autos. Danach dann Kamerawinkel einstellen. Wieder Autos. Belichtung anpassen. Autos. Erste Belichtungsversuche. 20 Sekunden. Dann wieder Autos. Bild checken. Und so weiter und so fort… bis ich ein paar verschiedene Motiveinstellungen hatte war dann auch schon wieder fast eine halbe Stunde rum.
Am Eiffelturm selbst positionierte ich mich strategisch günstig an der Kreuzung der Pont d’Iéna. Kurz nach mir kommen noch 2 andere Fotografen. Aber die müssen kurz warten, wenn sie mich nicht mit im Bild haben wollen. Tolles Bild im Kasten und ich drehe mich um 180° in Richtung Trocadero und das Palais de Chaillot. Hier stelle ich mich auch ganz ans Ende der Fußgängerinsel und das Stativ schon auf den Mittelstreifen. Die Lampen leuchten gerade in einem guten Winkel. Also auch hier noch einige Aufnahmen. Die Leute in ihren Autos die wegen der roten Ampel immer mal wieder neben mir halten, freuen sich doch irgendwie alle über das was ich da tue. Jedenfalls sehr unterhaltsame Momente.
Nachdem ich auch die Fotos alle geschossen habe, laufe ich wieder weiter in Richtung Alma Marceau. Nur eben auf der anderen Uferseite. Der Avenue de New York. Hier begegne ich auch Lativ – einem älteren Herrn aus Südafrika – und wir kommen eine ganze Weile ins Gespräch. Er war vor über 30 Jahren das letzte Mal in Paris. Es ist kurz vor 23 Uhr. Ich bereite in der Zwischenzeit meine Kamera für einige weitere Aufnahmen vor. Ein kleines Geburtstags-Dankeschön für Jemanden mit kleinem Gruß. Interessiert schaut er mir zu was ich da für Verrenkungen mache, weil ich das Grußkärtchen doch festhalten muss, da es vom aufkommenden Wind sonst weggeweht worden wäre. Gar nicht so einfach diese (sportliche) Art der Langzeitbelichtung ;-)
Wenig später beginnt der Eiffelturm erneut zu glitzern. Er ist total erstaunt darüber und freut sich sichtlich. Für die Verwandtschaft hält er dieses Spektakel in einem kleinen Video fest. Er erzählt mir dann noch, dass es das damals so wohl noch nicht gegeben hätte. Und hätte er nicht da noch mit mir gewartet, wäre es ihm wohl gar nicht aufgefallen, da er in Richtung Metro weiter wollte. Er ist nur diesen einen Tag in Paris. Quasi auf der Durchreise von einem längeren Flug. Wir unterhalten uns noch ein wenig mehr über Dieses und Jenes und dann verabschieden wir uns voneinander. Heute macht es doch tatsächlich Spaß mit dem Smalltalk auf englisch.
Ich mache noch einen kleinen Abstecher hoch zum Palais de Tokyo. Gucken was da so los sein wird die Tage. Und dann sehe ich am Club YoYo nebenan, wer da am 27.09. auftreten wird. AaRON. Ja da war doch was… genau! Die Band, von der ich die Konzertkarten für Heidelberg gewonnen hatte und deren Auftritt aber 1 Tag vorher abgesagt wurde. Glücklicherweise habe ich hier freies w-lan und ich gucke gleich nach Karten. Zu meiner Enttäuschung stelle ich dann doch fest: Ausverkauft. Was ein Pech aber auch. Das wäre der krönende Abschluss für die Reise gewesen. Aber es sollte einfach nicht sein.
Ein klein wenig enttäuscht nach dieser doch spontanen Entdeckung ging ich zur Metrostation Iéna. Ab zum Hotel. Meine Füße tun sowieso schon weh, von der vielen Lauferei. Im Hotel unterhalte ich mich noch ein wenig mit Muri. Ist eh gerade recht ruhig. Und dann irgendwann ab auf’s Zimmer. War ein langer und aufregender Tag. Ich sichte noch die Fotos vom heutigen Tag. Schreibe ein wenig Tagebuch, lade alle Akkus und dann fallen auch mir irgendwann müde die Augen zu…

Einfach auf das erste Foto klicken und dann mit dem Pfeil auf der rechten Seite weiter. Viel Spaß :-)

personal: Ist doch alles super!

Wirklich? Oder nur oberflächlich und von Außen betrachtet?

Ich habe jetzt länger mit mir gerungen, ob ich das wirklich veröffentlichen soll, aber ich bin es leid Angst davor zu haben, was andere wohl darüber denken könnten. Schließlich zeige ich hier meine Schwächen – und wer macht das schon gern. Aber auch das gehört meiner Meinung nach dazu, wenn man etwas bewegen will.
Wo Licht ist, ist eben auch immer Schatten! Das wird nur all zu gern vergessen, wenn ich von positiven Dingen in meinem Leben berichte.

Um bei diesem Bild oben zu bleiben… es verdeutlicht mein Innenleben ganz gut.

Ein kaputtes Haus mit hübschem Ausblick. Du stehst Barfuß in diesem kühlen dunklen Gang und willst zum Fenster, um mehr zu entdecken. Raus aus der Dunkelheit – hin zum Licht. Nur musst du dazu vorher über all die Scherben und anderen Gefahren steigen. Immer in der Hoffnung, dich selbst nicht zu verletzen oder das in diesem maroden Haus nicht doch auf einmal die Decke herunter stürzt und dich unter all dieser Last begräbt.

Durch diverse Ereignisse in meiner Vergangenheit ist dieses Haus in dem ich stehe immer mehr zerbröckelt und auch in gewisser Weise vergessen worden. Es hat niemanden gekümmert und auch ich selbst hatte irgendwann nicht mehr die Kraft dazu, den ’schönen Schein‘ zu wahren. Ich lebte nur noch von Tag zu Tag. Kein Gedanke an Morgen. Hauptsache das Heute überstehen.
Dieser katastrophale Zustand ist 11 Monate her und begann schon etliche Jahre zuvor.
Mittlerweile bin ich dem Fenster ein ganzes Stück näher gekommen. Ich kann immer mehr erkennen. Blatt für Blatt. Kleinigkeiten. Aber ich bin noch nicht so nah, dass ich gar aus diesem Fenster hinausklettern könnte. Ob das überhaupt jemals möglich sein wird… – ich weiß es nicht.
Da ist schließlich der Autismus, der mich wie durch eine unsichtbare Barriere von dieser Welt da draußen trennt.
Ich weiß das ich niemals richtig dazu gehören werde. Aber das hält mich nicht davon ab, mir wenigstens meinen kleinen Teil so angenehm und erlebnisreich wie möglich zu machen. Das lässt all die autismusbedingten Kratzer und Wunden deutlich einfacher ertragen.

Um nun etwas konkreter zu werden, was meine letzten Wochen betrifft und der Ein oder Andere vielleicht auf Twitter oder Facebook mitverfolgt hat…
Es ist natürlich so, dass unglaublich viele positive Dinge geschehen sind.
Paris, die Konzerte und all das was ich fotografisch festhalten durfte… die Kontakte und Möglichkeiten die sich wiederrum daraus ergeben haben – ist ja vieles nachzulesen…
Doch das Alles ist mir nicht von allein zugeflogen, wie man vielleicht annehmen könnte. Für vieles habe ich schon Wochen und Monate im Voraus etwas getan, dass es mir dann letztendlich ermöglicht hat, dass ich das dann nun auch so tun konnte. Für andere Dinge wiederrum erforderte es Mut und auch ein wenig Glück, dass sie so extrem kurzfristig geklappt haben.
Tatsache ist aber, dass ich aktiv und hart arbeitend etwas dafür getan habe! Nichts davon wurde mir aus reiner Herzensgüte geschenkt oder weil ich mich in irgendeiner fucking privilegierten Position befinden würde.
Ich bin niemand mehr der sich im Selbstmitleid verkriecht und jammert, wie schlimm doch alles ist. Ich bin deutlich selbstbewusster geworden und gehe meinen Wünschen und Träumen nun endlich wieder nach.

Das allerdings hat auch zur Folge, dass ich die Schattenseiten mit in Kauf nehmen muss.
Es waren unglaubliche viele Eindrücke, die ich da in den letzten Wochen erlebt habe. Als Autistin prasseln ungefiltert deutlich mehr Reize auf mich ein, als es bei Nicht-Autisten der Fall ist. Das Alles will und muss verarbeitet werden. Dadurch dass ich so viel zu tun hatte, schob es sich immer mehr auf. Als ich nun ein paar Tage Ruhe hatte, brach das Alles über mich herein. Auch das so viel Positives geschehen war – Eines das Andere toppte. Irgendwann musste auch da Schluss sein.
Wo bin ich also nun? Ich bin ‚in ein Loch gefallen‘. Emotional überwältigt könnte man sagen. Erschöpft vom (positiven) Stress. Aber Realist wie ich bin, habe ich das kommen sehen. Nur nicht, dass es nun doch so plötzlich da war, dieses Tief.
Hinzu kommt der Schlafmangel, den ich in den letzten Wochen angesammelt hab. Pro Nacht kaum mehr als 3 Stunden Schlaf. Sicher, früher war das auch nicht viel anders, aber ich bin eben auch keine 20 mehr ;-)
Ich muss nun in Zukunft also weiter daran arbeiten ein Gleichgewicht zwischen Stress und Ruhe im Allgemeinen zu finden. In Paris selbst zum Beispiel gelang mir dieses Gleichgewicht ganz gut, aber daheim sind die Routinen doch (noch) zu eingespielt und müssen neu angepasst werden. Manchmal fällt mir das in komplett anderer Umgebung (Paris) eben leichter.
Aber ich bin sicher, dass mir das in der nächsten Zeit gelingen wird. Was ich aber auch merke ist, dass durch den ganzen Stress wiederrum andere wichtige Routinen gelitten haben und ich denen nicht wie gewohnt nachgehen konnte. Dieses Ungleichgewicht spüre ich nun.
Auch mein Körper sendet jetzt mittlerweile Signale, dass es zu viel war.
Aber auch das ist ein gutes Zeichen. – Ich nehme diese Grenze wahr. Ich akzeptiere sie. Ein andern mal kann ich dann weiter an dieser Grenze arbeiten, um sie noch ein klein wenig weiter nach Außen zu verschieben. Nur das ist nicht heute oder morgen. – Gewiss auch nicht kommende Woche. Nun stehen Regeneration und Analyse der aktuellen Situation ganz oben.
Dieses ‚Loch‘ will ersteinmal überwunden werden. Was mir sicher dabei helfen wird, sind die vielen Eindrücke und Erinnerungen aus den letzten Wochen. Waren doch wirklich fantastische Momente dabei. Und allein die sind es alle mal wert, auch solche Rückschläge und Tiefs in Kauf zu nehmen.
Für mich ist dass das eigentliche Leben.
Dieses Auf und Ab. Genießen und gefordert werden.
Ohne dieses Input, all diese bereisten Orte, Begegnungen, Erlebnisse, erfüllten Wünsche… das war es schließlich auch, was mir all die Jahre gefehlt und mich immer unglücklicher gemacht hatte.

Nun an diesem Wochenende waren meine Großeltern väterlicherseits auch zu Besuch. Genau… der Großvater mit dem Schach ;-)
Natürlich nutzte ich die Gelegenheit für einige Partien. Da mein Bruder mit da war, bat ich um etwas ganz Verrücktes: Eine Partie gegen Beide gleichzeitig.
Ich wusste von vornherein, dass ich keine Chance haben werde, wenn ich gleichzeitig spiele, aber darum ging es ja auch gar nicht. Ich wollte sehen, wo ich stehe.
Wenn ich das Spiel dann also wieder ‚ummünze‘ auf mein Leben, dann sehe ich insgesamt in der Konzentrationsfähigkeit erneut deutliche Fortschritte. Auch was das Vorrausdenken der Züge betrifft. Im Einzelspiel gelang mir alles noch besser – aber es war auch sehr interessant zu merken, wie sehr ich von meinem Fokus abhängig bin. Auf 2 Schachpartien so anspruchsvoll zu reagieren… momentan (noch) nicht möglich. Ich verlor beide Partien zusammen deutlich schneller, als eine Einzelne.
Aber das soll nicht das letzte Mal gewesen sein. Ich will besser werden.
Mein Bruder versuchte sich übrigens auch in einer Doppel-Partie gegen Großvater und mich. Was mich erstaunte, er berichtete genau das Gleiche. Das es nocheinmal deutlich anspruchsvoller ist, sich auf 2 Partien gleichzeitig zu konzentrieren. Ihr erinnert euch – er verlor noch nie ein Spiel und auch damals im Schachclub gewann er spielend gegen alle… Großvater und ich sind also doch ein härterer Brocken und er hatte sichtbar ziemliche Schwierigkeiten und leistete sich einige Schnitzer. Interessant diese Analyse, die man durch Schach erhält. Welche mentale Leistungsfähigkeit man tatsächlich hat. Ich erlebte aber auch, was es heißen kann, wenn die Leistungsfähigkeit (durch Müdigkeit) abnimmt. In einer weiteren hart umkämpften Partie verlor doch dann tatsächlich mein Bruder gegen meinen Großvater. Ein historischer Moment ;-)

Rational wie ich eben bin, mache ich mir keine Illusionen darüber, dass alles super ist. Auch wenn es von Außen so aussehen mag. Es ist jede Menge Arbeit und auch weiterhin ein arbeiten an mir selbst. Für mehr Stabilität. Ich bin auf einem guten Weg, kenne meine aktuellen Grenzen und akzeptiere wo ich im Moment stehe.
Jedenfalls bin ich auch sehr dankbar für die letzten Wochen und stolz auf das, was ich da eigentlich alles geschaffen und erreicht habe.

Alles andere ist ein gewisses Feintuning der bisherigen Routinen und auch die ein oder andere Kompletterneuerung. Ich bin schließlich nicht mehr der Mensch, der ich noch vor 11 Monaten war.

Es reicht eben nicht, nur 1 oder 2 Aspekte in seinem Leben zu ändern. Alles muss neu angepasst werden. Ansonsten reißt es dich nur in die Vergangenheit zurück.

Und das ist eben genau das, was ich nicht mehr will.

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Anmerkung zum Foto oben, weil mehrfach gefragt wurde: Aufgenommen wurde es in einer ehemaligen Tuberkulose Klinik irgendwo in Deutschland. ;-)

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Mesh – Touring Skyward – Mannheim 01.10.2016 (Fotos)

Mesh – Touring Skyward – live in concert / Mannheim ‚Alte Seilerei‘ (MS Connexion) 01.10.2016

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Empathy Test live in Mannheim 01.10.2016 (Bericht + Fotos)

Auf dem Weg zur Konzertlocation fuhr ich durch sintflutartigen Starkregen, ich befürchtete Schlimmes, jedoch in Mannheim angekommen hatte es bereits aufgehört zu regnen.
Die Zeit bis zum Einlass kurz nach 19 Uhr verstrich dann auch schneller als erwartet. In den nächsten 30 Minuten füllte sich die ‚Alte Seilerei‘ (MS Connexion) zusehends.

Schon bald betraten Isaac und seine Live-Band Kollegen die Bühne und begannen ihr Set mit ‚Kirrilee‘. Die Zuschauer interessierten sich rasch für Empathy Test und lauschten gespannt den Klängen. Waren die meisten doch wegen Mesh als Headliner der Tour gekommen. Dennoch gab es einige, die extra nur für die Vorband angereist waren. So auch eine Dame aus der ersten Reihe, die bereits 3 Konzerte der bisherigen Tour besucht hatte und sich nun auch in Mannheim das letzte Konzert der Deutschlandtour selbstverständlich nicht entgehen lassen wollte.
Mit jedem weiteren Song schaffte es Isaac das Publikum mehr und mehr für sich zu gewinnen. Vielen war die Band bis dahin unbekannt. Doch aus dem Publikum hörte ich immer mehr, dass die Musik gefällt. Kein Wunder bei diesen elektronischen Klängen und der emotional-melancholischen Stimme. Die Lichtshow unterstrich nocheinmal die etwas düstere Atmosphäre.
Auf die Frage vom Frontmann, ob denn auch einige der Zuschauer extra wegen Empathy Test gekommen wären, gab es natürlich einige Zurufe. Isaac ‚bedankte‘ sich auch bei den Mannheimern für die bisherige Tour – zumindest sollten wir es sein, die dieses ‚Dankeschön‘ zu hören bekamen.
Auch fand er den heutigen Regen ganz gut, ließ es ihn als Londoner doch ein wenig wie daheim fühlen – schließlich wollen sie am kommenden Abend auch ausgerechnet in London spielen. Nachdem die Stimmung nun also richtig gut war, ging es weiter mit ‚Losing Touch‘ und ihrem neuen Track ‚Demons‘, bei dem spätestens jetzt der Großteil der Anwesenden begeistert war und kein Bein mehr still stand.
‚Here is the Place‘ war leider dann schon der letzte Song der von Christina an den Drums, Jacob am Keyboard und Isaac am Mikro performt wurde.
Das komplette Konzert über liefen im Hintergrund auf einer Leinwand auch die fantastischen Artworks von Adam – dem anderen Mitglied von Empathy Test – welcher jedoch heute Abend leider nicht zugegen sein konnte. Schade, aber das alles tat der Stimmung keinen Abbruch.

Alles in allem ein sehr gelungenes Konzert, dass der Band gewiss viele neue Fans gebracht hat. Live und auf CD definitiv zu empfehlen und im Auge zu behalten.

Setlist:
Kirrilee
Throwing Stones
Seeing Stars
Holding On
Losing Touch
Demons
Here is the Place

Viel Spaß nun mit den Fotos.
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