Hokus Pokus Verschwindibus

In letzter Zeit habe ich mir über ein Thema mal wieder vermehrt Gedanken gemacht.

Es gibt einzelne Menschen die verschwinden einfach aus deinem Leben, ignorieren und machen einfach weiter. Ohne dich.

Was mich traurig macht:
Von jemandem ignoriert zu werden, von dem man dachte es sei ein Freund.
Mehr als ab und an mal nachfragen wie es der Person geht, kann ich nicht. In unregelmäßigen Abständen immer wieder mal – 1,5 Jahre lang, ohne irgendeine Reaktion zu erhalten. Vorher war der Kontakt gut – zumindest dachte ich das, denn es gab keine anderen Anzeichen. Und nun…?
Ich bekomme nicht gesagt, ob ich etwas verkehrt gemacht habe. Keinerlei Reaktion auf meine Kontaktversuche.

Das passiert nicht zum ersten mal in meinem Leben, aber zum Glück sind es nur vereinzelte Menschen, die so etwas mit mir tun oder getan haben in den vergangenen 35 Lebensjahren.
Menschen brechen einfach den Kontakt ab, ohne zu sagen warum. Das zerfrisst mich innerlich, weil ich nicht weiß, ob ich etwas verkehrt gemacht habe. – Warum der Kontaktabbruch?
Wie soll ich so etwas ändern, falls es an mir liegt? Und dann denke ich wieder an die Menschen, die eben nicht so handeln. Das ist der Großteil. Liegt es also doch nicht an mir?

Ja, ich respektiere, dass jeder seine eigenen Probleme hat – die habe ich auch. Aber wenn jemand nachfragt wie es mir geht… dann finde ich irgendwann den für mich passenden Zeitpunkt mich zurückzumelden. Das ist in schwierigen Phasen nicht sofort, aber ich gebe irgendwann ein Lebenszeichen von mir. Manchmal ist es ein längerer Text, manchmal lediglich ein paar Zeilen und manchmal nur ein Emoji – aber so zeige ich: Ich höre dich – ich bin dir dankbar, das du an mich denkst. Für mich hat das etwas mit Respekt dem Anderen gegenüber zu tun. Ich melde mich, auch wenn ich dazu ein paar Monate brauche und es mir unangenehm bis peinlich ist, mich so lange nicht (zurück-)gemeldet zu haben… – aber ich reagiere.

Was ich hingegen nicht verstehe…
Wenn ich zu jemandem keinen Kontakt will, dann sage ich das. Meistens gibt es auch eine Erklärung warum. Was ich immer tue: Ich sage, dass ich keinen Wert mehr auf Kontakt lege. Das ist das Mindeste. So bin ich eben. Andersrum sagten Menschen mir auch schon: „Du bist so ein toller Mensch, irgendwie anders… ich möchte, falls man sich auseinander lebt o.ä., weiter mit dir befreundet sein“ usw.
Natürlich waren auch das nur leere Worte…

Warum sind Menschen so?
Das ist mir nun mit Nicht-Autisten, aber auch mit Autisten schon passiert.

Was ist so schwer an: „Leb wohl, ich mag keinen Kontakt mehr zu dir.“?

Ich verlange ja auch nicht ne Erklärung warum… wäre schön wenn es eine geben würde, aber ist kein Muss. Nur wenigstens diese Unklarheit… Unsicherheit, die es für mich als Autistin bedeutet, nicht zu wissen was Sache ist (ist Kontakt noch gewünscht ja oder nein), zieht unnötig Energie und ist letztlich auch immer wieder erneutes Futter für depressive Episoden.

Zu begreifen, dass man für manch einen wohl nur eine Luftnummer ist, das tut weh.
Das gilt es auszuhalten. Einen Umgang damit zu finden, damit es mich nicht zerfrisst – die fehlende Antwort auf die Frage ‚Warum?‘ oder zumindest das ‚Wie ist der Status zwischen uns? Willst du überhaupt noch Kontakt?‘.
Manche Menschen sind wohl einfach so. Ich kann es mir nicht anders erklären.
Ich habe mein Bestes versucht. Wenn man etwas anderes von mir erwartet hätte als immer mal wieder nachzufragen, dann hätte man es mir kommunizieren müssen. Ich kann nicht hellsehen und will mich auch nicht aufdrängen.

Jedenfalls hab ich jetzt für mich beschlossen, dass ich ab jetzt nicht mehr nachfragen werde. Anderthalb Jahre waren genug Zeit in der man irgendwie hätte reagieren können. Ich fühlte mich sehr lange, als stünde ich in der Schuld der Person, weil ich ihr etwas wichtiges zu verdanken habe. Aber warum reagiert man dann nicht mehr? Ich hätte mich sehr gerne irgendwie revanchiert, wäre gerne für die Person in einer schwierigen Situation dagewesen – so wie sie es für mich war. Ich werde nicht mehr nachfragen ob ich etwas tun kann, aber wenn die Person sich irgendwann bei mir melden möchte, kann sie es gerne tun. Ich bin ihr nicht böse – ich will nur in dieser für mich blöden Situation einen Umgang damit finden.

Mein Leben geht weiter. Es wird allmählich Schritt um Schritt besser. Der nächste große Schritt steht schon fest markiert im Kalender für 2020 und ich möchte mich von dieser ‚Warum/Status‘-Frage nicht länger so runterziehen lassen.

Habt ihr so etwas in eurem Leben auch schon erlebt? Wie geht ihr damit um?

 

Beitragsbild: Acryl (print) auf Papier. Oktober 2019.
 

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5 Kommentare zu „Hokus Pokus Verschwindibus

  1. Wenn jemand nicht antwortet, kann man es nach einiger Zeit nochmal versuchen, aber wenn er dann wieder nicht antwortet, kann man davon ausgehen, dass er keinen Kontakt mehr will bzw. dass er den Kontakt einseitig von sich aus für sich abgebrochen hat.

    Das zweite Mal auf eine Person bzw. Nachricht oder Anfrage nicht antworten, das ist so eine Art nonverbales Signal für das Unerwünschtsein. Nonverbale Signale sind für Menschen mit Asperger-Syndrom schwer zu entziffern, weil die Botschaft nicht klar, sondern versteckt bzw. verschlüsselt ausgesendet wird.

    Wenn ich etwa eine SMS nicht mehr beantworte, weil ich mit der Person nichts mehr zu tun haben möchte, dann kann es mich sehr nerven, wenn sie es immer wieder versucht, mich zu erreichen. Sie gilt dann in meinen Augen schnell als niveaulos bzw. aufdringlich.

    Dein Bild kommt mir bekannt vor. Hast du nicht mal ein Praktikum bei ner Zeitung gemacht? Lieben Gruß, Sven

    1. Huhu,
      Ersteinmal lieben Dank für deinen Beitrag. Ich habe dazu Fragen an dich. :-)

      1) Warum sagst du der Person nicht einfach, dass du keinen Kontakt mehr möchtest? Was hindert dich daran?
      2) Warum ist für dich die Person dann niveaulos?
      – Weil sie sich in deinen Augen selbst nichts wert ist, weil sie es erneut versucht nach – sagen wir mal – paar Monaten? (Ich meine nicht: ständig nachfragen innerhalb einer Woche oder ähnliches.)

      Vielleicht noch zur Einordnung – auch für andere:
      In meinem Text meinte ich nicht irgendwelche X-beliebigen Personen, sondern schon jemanden, mit denen man tieferen Kontakt und/oder tatsächlich eine Freundschaft hatte. Nicht irgendwelche flüchtigen Bekannte.

      1. Mit „ich“ meine ich nicht mich selbst. Es ist ein Beispiel. Wenn man Beispiele anführt, sagt man manchmal „ich“, meint das aber mehr als Platzhalter. Meine Erläuterungen basieren auf meiner Erkenntnis und meinen Erfahrungen. Warum manche Menschen so handeln, ist mir ja selbst unerklärlich. Aber ich hab es so erfahren durch das Leben und nicht alle Menschen handeln moralisch einwandfrei. Wenn man von seiner Firma die Kündigung bekommt, steht auch oft nicht der wahre Grund darin. Ich wurde einmal gekündigt, weil ich angeblich nicht dynamisch genug sei, de facto aber stand die Firma kurz vor dem Konkurs, der 14 Tage nach der Kündigung publik wurde ..
        Die Menschen sind nicht ehrlich, sie lügen lieber, um eine unangenehme Wahrheit nicht aussprechen zu müssen. Autisten sind da ehrlicher und verstehen die Lügen nicht.
        Ein wenig bin ich auch ein Autist, grenzwertig. Ich sage oft die Wahrheit, auch wenns hart rüberkommt, werde dafür aber angefeindet und auch schon mal als Troll bezeichnet ..
        Der Mensch ist das Tier, das lügt, hat schon Edgar Poe gesagt ..
        Liebe Grüße 🙂

  2. PS: Bei Internetfreundschaften hab ichs erlebt, dass Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind, einfach verschwunden waren. Im „realen“ Leben ist mir das noch nie passiert, dass einer keinen Laut mehr von sich gibt ..

  3. Das ist ein Verhalten, mit dem ich auch überhaupt nicht klar komme. Habe sowas auch ein paar Mal erlebt und ich – oder besser mein Hirn – finde da irgendwie keinen Abschluss und es kann passieren, dass ich mich auch noch nach Jahren plötzlich wieder finde, wie ich seit einer Stunde oder so da sitze und meine Gedanken um diese Person und dieses Thema kreisen, weil ich einfach nicht weiß, was überhaupt los ist oder war. Es ist hochgradig verunsichernd und gemein und fies und zerstört mein Vertrauen in Menschen allgemein und natürlich besonders in diese Personen und ich verstehe auch nicht, warum man nicht einfach mitteilen kann „Ich möchte (im Moment) keinen Kontakt mehr mit dir.“ Das würde mir Einiges erheblich erleichtern. Es wäre weniger schmerzhaft und würde mich in die Lage versetzen, damit abschließen zu können. Und ich hätte nicht das Gefühl, ich hätte mich in der Person grundsätzlich getäuscht und ich hätte weniger Angst, mich in Zukunft auf andere Menschen einlassen zu können, weil ich nie weiß ob man sich auf sie überhaupt verlassen kann, dass sie ehrlich und fair mit einem umgehen.

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