Paris – III

Teil I
Teil II

Da saß ich nun also auf der Bank und versuchte mich wieder etwas zu entspannen. Ist zwar nicht das erste Mal, dass ich in eine solche Situation geraten bin, weil ich Fotos machte und dann auf einmal die Polizei kam (ich kann die wildesten Stories erzählen ;-)), aber das hier war doch eine deutlich andere und angespanntere Hausnummer. Der Herr drehte immerhin auch in Military-Klamotten dort im Brunnen seine Runden (siehe Bilder am Ende des Teil II). Kopfkino. Was wäre wenn…
Nach ein paar Minuten ging es dann aber wieder. Ich ging weiter durch den Park die Champs-Élysées entlang. Direkt vor mir biegen vom Grand Palais etwa 70-80 Kadetten mit auf die Avenue ein und marschieren ebenfalls in Richtung Arc de Triomphe. Ab hier schlendere ich gemütlich. Ein wenig hier… ein wenig da gucken. Viele viele Touristen. Sehr kommerziell. Aber ist bekannt. Ich laufe weiter und höre dann kurz nach dem Disney Store ein Kamera-Klicken von Links. Habe ich gar nicht vorher erkannt. Gut gemacht. Spieß umdrehen. Click. Foto. Ich bleibe natürlich stehen und laufe dann zurück. Franzose mit gebrochenem Englisch. Wieder Glück. Ich frage, ob er mich aufgenommen hatte und lasse mir das Bild zeigen. Auch die anderen gefallen mir. Er hat ein gutes Gefühl für den Moment. Wir kommen ein wenig ins Gespräch, er erzählt mir von seinem Projekt, warum und wofür er die Streetfotos macht und dann verabschiede ich mich wieder.
Ich schlendere weiter… beobachte die Menschen um mich herum. Ein Foto hier – ein Foto da. Dann wieder direkt vor mir, eine junge Französin, die eine Bananenschale auf einen eigentlich schon mehr als übervollen Mülleimer legt, ohne das alles auseinander kracht. Der Anblick wirkt sehr skurril in dem Moment, dass ich nicht um ein Foto herum komme. (Siehe Bildergalerie.) Natürlich nicht ohne just in dem Moment von 2 jungen Männern angequatscht zu werden, warum ich denn den Mülleimer fotografiere ;-)
Kleine Kunst im Alltag, die doch niemand für voll nimmt. – Wer weiß, vielleicht mache ich mal eine kleine Fotostrecke irgendwann genau darüber.
Weiter geht es bis zum Arc de Triomphe und dann in die Av. d´Iena. Ein ruhiges Sträßchen mit tollen Türfassaden. Ein angenehmer Kontrast zur hektischen Champs-Élysées. Ich laufe durch den kleinen Park, vorbei an den Händlern mit ihren Billig-Repliken des Eiffelturms und mache dann spontan doch noch einen Abstecher zum Palais du Tokyo. Moderne Kunst. Danach dann endlich zum Tour Eiffel. Viel Militär mit Sturmgewehren. Kein Gedanke an mögliche Anschläge. Ich fühle mich sicher. Doch lang bleibe ich heute nicht, da es zu regnen beginnt. Also heute keine Fotos. Bin ja noch ein wenig in der Stadt. Kamera verstauen und ein kurzer Blick auf meinen Stadtplan. Ab zum Maison de la Culture du Japon. Sehr schön. Auch zu empfehlen und eine gute Entscheidung, um dem Regen zu entgehen.
Mittlerweile ist es spät geworden. Ich will wieder zum Hotel zurück. Nächste Metro-Station gesucht. Bir-Hakim. Auf dem Weg dorthin an verbotenen Hütchen-Spielen vorbei und anderen jungen Männern direkt vor der Station, die den Touris am Ticketautomaten „helfen“ wollen und anschließend um Geld betteln. Nee Jungs. Ich komm klar. Keine Chance. Direkt abgewimmelt. Ich steige also in die M6 und am Montparnasse Bienvenüe will ich in die M4. Und ich laufe und laufe… Déjà-vu. Ich erinnere mich direkt wieder an meinen letzten Paris-Aufenthalt. Dieser ewig lange Tunnel. Wäre ich doch nur eine Station weiter gefahren. Jetzt lauf ich diese gefühlten 2km. Meine Füße tun mir eh schon weh. Toll. Immerhin hat sich ein ziemlich guter Musiker im Tunnel platziert. Es bleiben viele Menschen stehen und lauschen begeistert. Auch ich höre sicher eine gute Viertelstunde zu… Wirklich gut. Kurz in der Tasche gekramt und 2 € in sein Hütchen geschmissen. Nun aber weiter. Ist ja doch unangenehm stickig und warm hier im Tunnel. Schon bald bin ich an meiner Metro-Station angekommen und zurück mit der M4 zum Gare de l’Est. Ins Hotel und Füße hochlegen. Akkus laden. Halt. Wo haben die die Steckdose versteckt? Ist doch jetzt nicht wahr. Auch im Bad keine zu sehen. Kurzerhand ziehe ich also den Stecker vom TV, um wenigstens mein Handy laden zu können. Für die große Kamera hab ich eh noch einen vollen Ersatz. Nun noch unter die Dusche. Passt. Nicht stecken geblieben. ;-)
Erschöpft lasse ich mich danach in mein Bett fallen und schließe die Augen. Gong. Dong. Gong. Laut. Jetzt hab ich mich arg erschreckt. Nee oder?! Ich gucke auf mein Handy. 23:45 Uhr. Okay… wird also spannend heut Nacht mit dem Gebimmel der Kirche, direkt vor dem Hotel.

25.09.2016
Wider Erwarten bin ich doch zügig eingeschlafen. Die Nacht war okay. Das Kirchengeläut hat mich erstaunlicherweise nicht gestört. Etwas nerviger war das nächtliche Gehupe an der Kreuzung und diverse Sirenen. Alles in allem, habe ich aber dennoch recht erholsam geschlafen. Und beim Aufwachen entdeckte ich vom Bett aus auch die gesuchte Steckdose. Direkt beim Schreibtisch. Ich muss lachen. Da war ich aber ganz schön verpeilt gestern Abend.
Nun gut. Das ist also geklärt. Schnell in frische Klamotten geschmissen und dann ab zum Louvre. Ich hab ja noch kein Ticket. Will also nicht zu spät dort sein und mich in eine ewig lange Schlange stellen müssen.
Die Nacht hatte es noch ein wenig geregnet. Die Gehsteige sind feucht. Ab zur Metro. Weiter auf meinem Weg zum Louvre (ich bin ein paar Stationen früher ausgestiegen, um mir noch etwas mehr die Stadt anzusehen) entdeckte ich an der Rue de Rivoli einige Obdachlose, die auf den großen Lüftungsschächten der angrenzenden Gebäude schliefen. Ich hatte Mitleid, weil ihre Pappen auf denen sie teilweise lagen, ziemlich durchweicht waren vom Regen. Das konnte nicht gesund sein. Auch wenn die Luft aus den Schächten tatsächlich sehr warm war. Dennoch… Ich machte mir Gedanken…
Jedoch nicht all zu lang, denn nur wenige Meter weiter wurde ich von einem älteren Obdachlosen angesprochen angeflirtet ;-) und er ließ mich auch nicht so recht gehen. Na gut. Dann unterhalte ich mich ein wenig mit dir. Wir kamen ziemlich schnell auf das Thema, wie er denn obdachlos geworden war (er kam vor etlichen Jahren aus Deutschland nach Frankreich). Und ich erfuhr seine Lebensgeschichte. Unglückliche Umstände, Job verloren… Wohnung… so war das. Aber mich hat fasziniert, dass er trotzallem noch so eine Lebensfreude austrahlt. Nach einer knappen halben Stunde musste ich dann aber auch weiter. Bald ist Einlass. Gegen 08:45 Uhr kam ich dann an der Pyramide an. Die Schlange war noch nicht all zu lang. Okay… vielleicht 10 Minuten warten. Kein Problem. Einlass soll 09:00 Uhr beginnen.
Aber wie es das Schicksal dann heute so wollte, sollte sich der Einlass verschieben. Ohne weitere Informationen warum, öffnete sich erst um 10 Uhr die Tür. Während der Wartezeit kam ich auch wieder mal mit den Leuten um mich herum ins Gespräch, da ich trotz meiner Kopfhörer angequatscht wurde. Jaja.. immer ich. Aber sie waren nett, die Engländer. So verging wenigstens die Wartezeit recht zügig.
Kurz durch die Kontrolle und dann hinunter zur Kasse. 15,-€ Eintritt finde ich übrigens mehr als angemessen. Ich holte mir noch einen Lageplan und dann als erstes natürlich zu DaVinci, bevor dort alles zu spät, kein Vorrankommen und ruhiges Betrachten mehr möglich ist. Ich hatte tatsächlich noch Glück. Keine 15 Minuten später war der Saal mit der Mona Lisa (ist es denn tatsächlich noch immer die Kopie?) und auch der Vorraum mit seinen anderen Werken proppevoll. Auch kein Genuss mehr, sich die anderen Gemälde anzusehen. Insgesamt verbrachte ich gute 7 Stunden im Louvre. Danach war meine Aufnahmekapazität durch. Extrem viel Input. Visuell und auch geschichtliche Hintergrundinformationen. Ich habe leider lang nicht alles gesehen, was ich gerne gesehen hätte. Einfach riesig der Louvre und durchrennen bringt schließlich auch nichts. Also wird es definitiv einen weiteren Besuch von mir geben. Es lohnt sich übrigens auch, den Blick im Louvre immer mal wieder nach oben schweifen zu lassen. Gibt jede Menge zu entdecken (siehe Headerbild) :-)

Angetan hat es mir aber vor allem auch die Apollo-Galerie im Denon-Flügel (Saal 66). Ein wunderschönes Eingangstor an dem sämtliche Touristen achtlos vorbei liefen. Ich jedoch stellte mich direkt davor und begutachtete die feinen Details. Der Saal selbst… ein „Woah-Gefühl“ wenn man hinein kommt. Mädchentraum eben. Nicht nur wegen der Kronjuwelen. Überhaupt war das gesamte Erste Stockwerk im Sully- und auch im Richelieu-Flügel sehr sehenswert. Hier habe ich definitiv die meiste Zeit gelassen.
Mit meinen ganzen Eindrücken verließ ich also den Louvre durch die Untergrundpassage. Wieder Menschen ohne Ende. Man…, was ein Gedränge. Mein Hirn ist voll – ich muss nach oben ins Freie, damit die Gedanken wieder fließen können. Noch ein wenig umhergeirrt bis ich den richtigen Ausgang gefunden hatte, um im Tuileries Garden herauszukommen. Ich setzte mich wieder ein wenig an den Brunnen und genoss die Sonnenstrahlen. Hunger. Weiter geht’s in Richtung Montmartre. Zwischendurch noch etwas zu essen organisiert. Am Fuß der Sacré-Cœur direkt wieder an den Film „Fabelhafte Welt der Amelie“ erinnert fühlen. Das Wetter passt. Die Sonne steht im perfekten Winkel und die Wolken bieten einen guten Kontrast zur Kirche. Fotos machen. Danach geht es dann die Stufen nach oben. Auf circa der Hälfte einer Gruppe junger Koreaner dabei geholfen mit ihren Handys ein paar Gruppenaufnahmen zu machen und dann die letzten Stufen hinauf. Ich kam genau im richtigen Moment oben an. Iya Traoré stieg gerade aus dem Auto. Unglaublich, was ich hier in Paris immer wieder für ein Glück habe. So oft zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
Gespannt beobachtete ich seine Darbietung. Wirklich gut. Und tolle Venen an den Unterarmen. Gab also genug zu gucken. ;-)
Nach etwa 10 Minuten war das ganze Spektakel dann auch schon wieder vorbei. Die Menge steckte ihm diverse Euros zu. Kein schlechter Verdienst. Ein paar Selfies mit den Leuten und dann… ja dann ein kleines extra Posing für mich. Ha! Schon wieder! Perfekt. Noch ein kurzer Handshake und dann verschwand er auch schon direkt wieder im Auto. So schnell wie er kam, war er wieder weg.
Ich schlendere nun weiter in Richtung Montmartre. Hm. Hab ich irgendwie schöner in Erinnerung. Also weiter. Ich gehe bewusst die Nebengassen entlang und dann die Rue Lepic hinunter. Mir fällt sofort die überall an den Hausfassaden verteilte Streetart auf. Einiges erkannte ich erst auf den zweiten Blick und hab ein paar mal wirklich grinsen müssen. Klasse Sachen dabei. Originell.
Die Sonne wandert weiter unaufhörlich in Richtung Horizont. Ich fahre wieder kurz zum Hotel zurück, mein Ein-Bein-Stativ für die Nachtaufnahmen holen. Dann direkt in den angrenzenden Boulevard de Magenta. Hier gibt es etliche Restaurants, Bars und Imbisse. Die Qual der Wahl. Ich entscheide mich für Vietnamesisch modern interpretiert. Sehr lecker.
Mich packt spontan die Lust nun noch einmal an die Seine zu fahren. Kurz in die Metro gehüpft und zack – da bin ich. Ich gehe direkt runter zum Ufer und suche mir ein nettes Plätzchen im Mondschein. Den Tag Revue passieren lassen und entspannen. Hat was romantisches. Aber da sitze ich nun. Allein. Lang lasse ich diesem Gedanken aber nicht die Möglichkeit sich festzusetzen. Der Abend ist zu schön dafür. Den Moment genießen und entspannen. Ich stelle fest, dass ich den ganzen Tag nicht eine Zigarette geraucht hatte. Sehr schön. Doch Feinstaub und Abgasen sei Dank, fühlte sich meine Lunge keineswegs besser an… ;-)

Als Abschluss des Tages kann man nur noch ein paar Tipps geben…
Versucht erst gar nicht an großen Kreuzungen bei Rot an einer Ampel stehen zu bleiben. Wenn gerade kein Auto kommt, wird quasi von hinten geschoben und man muss laufen oder eben sehr stabil stehen.
Aber auch wenn die Ampel grün zeigt oder ihr an einem Zebrastreifen überqueren wollt, trotzdem unbedingt auf den Verkehr achten, ob letztenendes wirklich gehalten wird. Ist lebensgefährlich bei der Fahrweise einiger Franzosen. Den Tag über hatte ich einige beinahe-Crashs beobachtet. Erklärt natürlich auch die vielen Sirenen, die man Tag wie Nacht immer wieder hört.
Ein weiterer Pluspunkt… in der Stadt verteilt findet man hin und wieder offenes w-lan. Praktisch.
Wenn eines an der Stadt für Autisten anstrengend ist, dann ist es die Lautstärke. Aber gut. Es ist Paris. Da kann man auch fast nichts anderes erwarten. Mittendrin. Pulsierendes Leben. Schmelztiegel der Kulturen und auch der Gerüche… ;-)

Weiter mit Teil IV
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3 Kommentare zu „Paris – III

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